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Guten Morgen Frau Doktor

akademische Grade bikablo bachelor, master, doktor

Akademische Grade

Quizfrage: Wie lautet der höchste akademische Grad: Master, Bachelor, Professor oder Doktor?

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Die richtige Antwort ist Doktor. Hätten Sie es gewusst? Und warum nicht Professor? „Professor“ ist ein Titel und zugleich eine Amtsbezeichnung aber kein akademischer Grad (wie man den Titel Professor erlangen kann, beschreiben wir in einem weiteren Blogartikel). Ein akademischer Grad wird nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium verliehen. Die wissenschaftliche Befähigung wird durch eine Prüfung nachgewiesen (z. B. Bachelorprüfung).

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Akademische Grade folgen einer Hierarchie beginnend mit dem ersten Zyklus. Dieser erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss besteht aus dem Bachelorgrad. Je nach Studium gibt es verschiedene Bachelorabschlüsse wie etwa den Bachelor of Arts (B.A.) oder den Bachelor of Science (B.Sc.) (siehe hierzu ausführlich Der Bachelor).

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Der zweite Zyklus umfasst neben Magister und Diplom vor allem den Master (siehe hierzu Der Master und Magister, Diplom und Staatsexamen). Die Abschlussbezeichnungen entsprechen denen des Bachelors. So gibt es einen Master of Arts (M.A.) und einen Master of Science (M.Sc.). Im zweistufigen Bologna-System, müssen Sie zuerst den Bachelor erwerben, um die Zugangsvoraussetzung für das Masterstudium zu erlangen.

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Der dritte Zyklus besteht aus dem Doktorgrad. Um die Promotion – so wird die Verleihung dieses akademischen Grades genannt – erlangen zu können, muss der zweite Zyklus abgeschlossen sein. Zugangsvoraussetzung ist also ein Master, Magister, Diplom oder Staatsexamen. Einzelheiten des Verfahrens regeln die Promotionsordnungen der Universitäten. Nur diese Hochschuleinrichtungen hatten bisher das Promotionsrecht. In 2016 hat die FH Fulda aber als erste Fachhochschule ein eigenes Promotionsrecht bekommen – sehr zum Verdruss der Universtäten, die ihr Privileg die Doktorwürde verleihen zu dürfen, in Gefahr sehen.

Wenn die Promotion für Sie eine reizvolle Alternative ist, dann sollten Sie sich bereits im ersten und zweiten Zyklus richtig reinhängen, denn überdurchschnittliche Noten sind Voraussetzung, um als Doktorand angenommen zu werden. Sie müssen sich einen Professor oder eine Professorin suchen, der /die Sie als Doktorvater oder Doktormutter beim Verfassen Ihrer Doktorarbeit, die sogenannte Dissertation, betreut. An dieses Werk werden hohe Ansprüche gestellt. Sie müssen eine Forschungsfrage bearbeiten, deren Beantwortung einen wesentlichen Beitrag zu ihrem Fachgebiet darstellen soll. Eine Promotion dauert im Durschnitt 4 bis 5 Jahre (außer bei Medizinern und Chemikern, da geht es schneller) und schließt mit einer mündlichen Prüfung ab. Wenn die Thesen der Doktorarbeit in der obligatorischen Abschlussprüfung verteidigt werden, spricht man von einer Disputation und wenn auch allgemeine Fragen über das ganze Fachgebiet gestellt werden können, handelt es sich um ein Rigorosum.

Ihre Doktorarbeit müssen Sie veröffentlichen. Damit ist sie für jedermann zugänglich. Schummeleien können daher leicht entdeckt werden. Wehe, Sie haben gefälscht, abgeschrieben oder unsauber wissenschaftlich gearbeitet. Dann kann man Ihnen auch noch Jahre später den Doktortitel aberkennen – es wäre nicht das erste Mal.

Es ist ein langer Weg bis zum ersehnten Doktortitel; aber dann dürfen Sie sich je nach Fachgebiet beispielsweise Dr. jur. (Doktor der Rechtswissenschaft), Dr. phil. (Doktor der Philosophie), Dr. med. (Doktor der Medizin) oder Dr. math. (Doktor der Mathematik) nennen. In den USA heißt der zum deutschen Doktor vergleichbare akademische Grad Ph. D. (lateinisch Philosophiae Doctor). Schließlich gibt es noch den Doktor honoris causa (Dr. h.c.). Die Ehrendoktorwürde wird von Universitäten an Personen für besondere wissenschaftliche Leistungen oder Verdienste verliehen. Es handelt sich aber um einen Titel und nicht um einen akademischen Grad.




Wenn Sie einen akademischen Grad aus dem ersten, zweiten oder dritten Zyklus erlangt haben, sind Sie nach dem AkadGrG (Akademische Grade Gesetz) berechtigt, den Grad zu führen. Sie können also Ihren Namen mit dem Grad versehen auf Ihrer Visitenkarte, Ihrem Briefbogen oder auf Ihrem Facebook Profil aufführen. Akademische Grade sind kein Bestandteil des Familiennamens. Auf Wunsch darf man sich aber den Grad des Doktors in den Ausweis und andere amtliche Dokumente eintragen lassen. Bei der Führung der Grade ist zu beachten, dass nur Diplom- und Doktorgrade (z. B. Dr. forest Monika Musterfrau) vor dem Namen geführt werden, während die anderen Bezeichnungen nach dem Namen platziert werden (z. B. Max Mustermann, M.Sc.). Die Grade müssen so geschrieben werden, wie sie in der Verleihungsurkunde aufgeführt sind. Es ist allgemein üblich, nur den höchsten akademischen Grad anzugeben.

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Einen gesetzlichen Anspruch, dass andere Ihren akademischen Grad in der Anschrift oder der Anrede verwenden, haben Sie aber nicht. Es ist eine Frage des Stils und höflicher Umgangsformen, wie mit der Nennung von Titeln und Graden umgegangen wird. In der Alltagskommunikation spielen die akademischen Grade des ersten und zweiten Zyklus keine Rolle. Sie müssen also nur darauf achten, ob die zu kontaktierende Person einen Doktor- oder Professorentitel hat. In der mündlichen und schriftlichen Anrede wird dann nur der höchste Titel verwendet. Im Schriftverkehr sollten Sie „Professor“ ausschreiben (Doktor können Sie mit „Dr.“ abkürzen). Sie schreiben also nicht „Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Erika Mustermann“, sondern „Sehr geehrte Frau Professorin Mustermann“. In der mündlichen Anrede ist die weibliche Form des Doktorgrades (Doktorin) zwar korrekt, aber ungebräuchlich. Und wenn Sie Ihrer Nachbarin ein fröhliches „Guten Morgen Frau Doktor“ zurufen, achten Sie darauf, dass sie auch promoviert ist. Die Zeiten in denen Ehefrauen von Herren mit Doktortitel mit „Frau Doktor“ angesprochen wurden, sind lange vorbei. Und das ist auch gut so.

Illustration: Ellen Burgdorf auf Basis von bikablo.

Autor:

Prof. Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Wissenschaftliches Arbeiten und Digitales Marketing sind zwei Schwerpunkte seiner Arbeit.

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