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Bewertungskriterien für Abschlussarbeiten

Check list with two pens

In einer chronologischen Betrachtungsweise ist die Bewertung deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit am Ende des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses angesiedelt. Du solltest dich aber bereits am Beginn des Schreibprozesses mit den Bewertungskriterien auseinandersetzen, die bei der Benotung deiner Arbeit von den Prüfern zugrunde gelegt werden. Wir zeigen dir, welche Bewertungskriterien Professoren bei wissenschaftlichen Arbeiten anwenden.

Subjektivität der Bewertung

Es gibt kein allgemein gültiges Bewertungsschema für Abschlussarbeiten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Studiengängen und ihren spezifischen Charakteristika sind zu groß für eine einheitliche Lösung. Selbst innerhalb eines Studienganges an einer Hochschule bewerten die einzelnen Professoren häufig nicht nach einer einheitlichen Richtlinie. Hinzu kommen Unterschiede, die sich aus der Art der Bildungsstätte ableiten. Während an Universitäten eine Betonung des theoretischen Aspektes der Bachelorarbeit oder Masterarbeit dominiert, wird an Berufsakademien und Fachhochschulen stärker die Praxisrelevanz der Abschlussarbeit eingefordert.

Im Rahmen des Betreuungsprozesses deiner Abschlussarbeit solltest du daher die Prüfer fragen, welche Bewertungskriterien sie bei der Benotung anwenden. Sollten die Prüfer kein Bewertungsschema zur Verfügung stellen, kannst du die nachfolgenden Bewertungskriterien als Checkliste benutzen und nach ihrer Bedeutung im Rahmen der Benotung fragen.

Bewertungskriterien verschiedener Hochschulen im Vergleich

Wir haben uns auf die Suche nach Bewertungskriterien und Bewertungsschemata im deutschsprachigen Raum gemacht, die im Internet frei zugänglich sind. Hier das Ergebnis unserer Recherche:

  • Historisches Seminar der Universität Mainz[1]
  • Duale Hochschule Baden-Württemberg[2]
  • Hochschule Coburg, Prof. Dr. Ralf Bohrhardt[3]
  • Institut für Klein‐ und Mittelunternehmen und Center for Family Business der Universität St. Gallen[4]
  • Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Leipzig, Dr.-Ing. Christian Heller[5]
  • Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), Prof. Klaus F. Lorenzen[6]
  • Fachhochschule Münster, Institut für Berufliche Lehrerbildung, Prof. Dr. Franz Stuber[7]
  • Ostbayrische Technische Hochschule Amberg-Weiden[8]

Die in der Abbildung aufgeführten Bewertungskriterien sind Oberpunkte, zu denen weitere Unterkategorien zählen. So gehören beispielsweise zum Bewertungskriterium „Motivation und Zielsetzung“ der BA Leipzig folgende Unterkategorien: Hintergrund des Themas, Verdeutlichung des Erkenntnisinteresses, Erkennen von Problemen, Problemabgrenzung, Ableitung einer klaren Zielstellung, Nutznießer der Erkenntnisse, Schwierigkeitsgrad.

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Gemeinsamer Grundkanon

So unterschiedlich die Bewertungsschemata im Detail auch sein mögen, im Großen und Ganzen ist ein gemeinsamer Grundkanon zu erkennen. In jeder der aufgeführten Hochschulen werden sowohl inhaltliche Aspekte (z. B. Fragestellung, Methodik, Systematik, Literaturverarbeitung) als auch formale Aspekte (z. B. Sprache, Aufbau, Gestaltung) bewertet. Die Aussage, bei einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit käme es vor allem auf die Inhalte an, ist also nicht richtig. Die Form fließt in erheblichem Umfang ebenfalls in die Notengebung ein. Weiterhin ist die Differenzierung von Prozess und Ergebnis im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Arbeiten zu erkennen. Bei der OHT Amberg-Weiden kommt dies gut zum Ausdruck. Hier wird zum einen die „Systematik in der Vorgehensweise“ (Prozess) und zum anderen die „Klarheit und Sauberkeit der Darstellung“ (Ergebnis) bewertet.

Bewertungsschema Prof. Dr. Manschwetus

Die Bewertung von Bachelorarbeiten und Masterarbeiten wird hier in zwei Schritten durchgeführt. Zunächst einmal erfolgt nach einem Bewertungsschema – das du hier downloaden kannst– eine standardisierte Beurteilung der Abschlussarbeit. Diese Kriterien entstammen Band. 1 der „Kleinen Online-Bibliothek des wissenschaftlichen Arbeitens[9]“. In einem zweiten Schritt erfolgt dann eine Kommentierung der Abschlussarbeit, um die spezifischen Vorzüge oder Schwachstellen herauszustellen. Das Bewertungsschema setzt sich aus vier Oberkategorien zusammen, denen zahlreiche Bewertungskriterien untergeordnet sind:

  1. Inhalt
    Wie schwierig ist das Thema? Inwieweit wurde eine Erfassung und Durchdringung der Themenstellung erreicht? Wurde eine angemessene Begriffserklärung und Definition der Schlüsselbegriffe vorgenommen? Wie sind Originalität und Neuigkeitswert der Arbeit einzuschätzen? Welcher Nutzen entsteht durch die Abschlussarbeit für Forschung, Theorie und Praxis? In welchem Ausmaß sind eigene kreative Ideen, Konzepte und Lösungsansätze vorhanden? Erfolgte eine Formulierung weiterführender Fragestellungen für künftige Arbeiten?
  2. Form
    Sind Aufbau und Gliederung der Arbeit logisch und stringent? Ist ein „roter Faden“ zu erkennen? Sind korrekte Inhalts-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnisse vorhanden? Entspricht Verständlichkeit, Stil und Lesbarkeit den Anforderungen wissenschaftlicher Sprache? Wie sind Rechtschreibung und Grammatik zu beurteilen? Ergibt sich durch die Wahl der Schrifttype, der Schriftgröße, der Seitenränder und der Bindung ein sachgerechtes optisches Erscheinungsbild der Arbeit? Welche Qualität in Bezug auf die Visualisierung ist den Abbildungen und Grafiken zu bescheinigen? Wurden die formalen Kriterien (z. B. Deckblatt, Seitenzahl, Fristen) eingehalten?
  3. Methodik
    Inwieweit erfolgte eine Formulierung von Problembeschreibung, Hypothesen und Forschungsfragen? Wurden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden angewendet? Erfolgte ein systematisches Vorgehen? Fanden eine kritische Reflexion und die Entwicklung einer eigenen Position statt? Sind die Gütekriterien empirischer Forschung eingehalten worden? Erfolgte eine nachvollziehbare Darstellung der Lösungswege und der Methodik? Ist die Eigenleistung klar zu erkennen und beschrieben?
  4. Literatur
    Wie ist die Qualität und Aktualität der verwendeten Literatur einzuschätzen? Erfolgte auch eine Verwendung internationaler Quellen? Ist in der Arbeit eine angemessene Zitierfrequenz vorhanden? Wurden die Zitierregeln eingehalten? Ist das Literaturverzeichnis korrekt erstellt und welchen Umfang hat es?

Wir hoffen, die aufgezeigten Bewertungskriterien helfen dir, deine Abschlussarbeit erfolgreich zu gestalten, so dass einer guten Benotung nichts im Wege steht. Viel Spaß und Erfolg beim wissenschaftlichen Arbeiten!

 

 


 

Bildnachweis: 1. Check list with two pens © Swapan – fotolia.com | 2. Eigene Darstellung

Quellen:

[1] http://www.geschichte.uni-mainz.de/Dateien/Bewertungskriterien_HS-BA-BED-MA-MED.pdf

[2] http://www.dhbw.de/studienangebote/bachelor/technik/dokumente/paging-dokumente/bewertung-von-projekt-studien-und-bachelorarbeiten.html

[3] https://www.hs-coburg.de/uploads/media/rbo_Bewertung_BA.pdf

[4] http://www.kmu.unisg.ch/~/media/internet/content/dateien/instituteundcenters/kmu/unterlagen%20diplomarbeitenboerse/leitfaden%20ba%20und%20ma%20neu.pdf?fl=de

[5] http://www.ba-leipzig.de/fileadmin/upload_pruef/technik/bachelorarbeit/gutachter/bewertung.pdf

[6] http://www.haw-hamburg.de/fileadmin/user_upload/DMI-I/Studium/lorenzen_wissenschaftliche_anforderungen_dipl.pdf

[7] https://www.fh-muenster.de/ibl/downloads/pruefung/merkblatt_bachelorarbeit.pdf

[8] http://www.oth-aw.de/fileadmin/user_upload/Studium/Bachelorstudiengaenge/Betriebswirtschaft/Richtlinie_zur_Erstellung_einer_Bachelorarbeit_Stand-_OKT2012.pdf

[9] Manschwetus, Uwe (2015): Anforderungen an wissenschaftliches Arbeiten kennenlernen, Band 1, Kleine Online-Bibliothek des wissenschaftlichen Arbeitens, Lüneburg

 

Autor:

Prof. Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Wissenschaftliches Arbeiten und Digitales Marketing sind zwei Schwerpunkte seiner Arbeit.

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