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Magister, Diplom und Staatsexamen

Magister, Diplom und Staatsexamen, Studienabschluss alt Bikablo

Die alten Abschlüsse

Wir befinden uns im Jahre 2016 n. Chr. In ganz Deutschland ist in allen Studiengängen das Bachelor- und Mastersystem eingeführt worden. In allen Studiengängen? Nein! Ein paar unbeugsame Studienfächer hören nicht auf, dem neuen System Widerstand zu leisten und verleihen immer noch Staatsexamen, Magister oder Diplom.

Magister, Diplom und Staatsexamen, Studienabschluss alt BikabloVon allen Abschlüssen, die es bereits vor Einführung des zweistufigen Bachelor-Mastersystems gab, hat das Staatsexamen heute noch die größte Bedeutung. Wie der Name schon zum Ausdruck bringt, liegt die Besonderheit dieses Abschlusses in der Abnahme des Examens durch staatliche Prüfungsämter. So auch im Fach Medizin. Hier regelt ein Gesetz, die Approbationsordnung für Ärzte, die Ausbildung in Deutschland Die Regelstudienzeit beträgt demnach genau sechs Jahre und drei Monate und beinhaltet u. a. eine praxisorientierte Ausbildungszeit (Praktisches Jahr) und eine ärztliche Prüfung, die in drei Abschnitten erfolgt. Die meisten Mediziner promovieren noch im Anschluss an das Studium, um den Doktortitel führen zu können. Die Mediziner haben sich am erfolgreichsten gehen eine Veränderung des Studiums im Rahmen des Bologna Prozesses wehren können. Die Einführung von Bachelor und Master ist hier nicht in Sicht. Ein Studium auf Staatsexamen ist neben den Humanmedizinern auch bei den Zahn- und Tiermedizinern obligatorisch. Ebenso schließt das Studium der Pharmazie und der Lebensmittelchemie mit dem Staatsexamen ab.

Und wie ist die Situation bei den Juristen? In unseren Beiträgen über die Bachelor– und Masterabschlüsse haben wir bereits auf den Bachelor (LL.B.) und Master (LL.M.) of Law hingewiesen. Können Sie mit diesen Abschlüssen klassische juristische Berufe wie Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Notar oder Richter ergreifen? Die Antwort lautet „Nein“, denn dazu müssten Sie ein sogenannter Volljurist sein. Das sind Personen, die das 1. und 2. Staatsexamen sowie ein Rechtsreferendariat über zwei Jahre absolviert haben. Studieninteressenten müssen sich also zwischen einem Jura-Studium, das zum Staatsexamen oder zum Bachelor / Master führt, entscheiden. In den juristischen Bachelor- und Masterstudiengängen wird gewöhnlich ein Schwerpunkt auf wirtschaftliche Fragestellungen gelegt, so dass die Absolventen für eine Tätigkeit als Rechtsberater insbesondere in Banken, Versicherungen sowie Wirtschafts- und Steuerprüfungsgesellschaften qualifiziert sind. Da häufig auch ausländisches Recht im Bachelor- / Masterstudium gelehrt wird, ist dieser Ausbildungsweg für Personen interessant, die eine Beschäftigung in internationalen Konzernen anstreben.

Magister, Diplom und Staatsexamen, Studienabschluss alt BikabloDas Staatsexamen gibt es vereinzelt auch noch in Lehramtsstudiengängen. Um Lehrer zu werden, führte früher kein Weg am Staatsexamen vorbei. Nach einer Regelstudienzeit von 8 bis 10 Semestern, machte man das 1. Staatsexamen, in dem die erziehungs- und fachwissenschaftlichen Kenntnisse nachgewiesen wurden. Dann erfolgte der Vorbereitungsdienst – das so genannte Referendariat –und anschließend das 2. Staatsexamen. Die meisten Bundesländer haben mittlerweile auf das Bachelor- / Master-System umgestellt. Der Master of Education (M.Ed.) ist zwingend Voraussetzung, um Lehrer werden zu können. Am Ende des Studiums gibt es eine staatliche Abschlussprüfung. Diese nennt sich zwar nicht Staatsexamen, erfüllt aber die gleiche Funktion, denn es sollen einheitliche Standards sichergestellt werden. Die Anforderungen des Lehramtsstudium unterscheiden sich je nach Schulform (Grund- und Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, berufliche Schulen und Sonderschulen) und Bundesland. Einen guten Überblick über die verschiedenen Anforderungen an das Lehramtsstudium in den einzelnen Bundesländern bietet die Seite der Stiftung für Hochschulzulassung.

Magister, Diplom und Staatsexamen, Studienabschluss alt BikabloWährend das Staatsexamen noch fortlebt, sind Studiengänge mit dem Abschluss Magister Artium (M.A.) (Verwechselungsgefahr: M.A. steht auch für Master of Arts!) nur noch selten zu finden. Vor Inkrafttreten des Bologna Systems war der Magister Status Quo in den geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Fächern. Das Besondere am Magisterstudium besteht in der Kombination mehrerer Fächer. Es können ein Hauptfach und zwei Nebenfächer oder auch zwei Hauptfächer kombiniert werden. Die Fächerkombinationen regeln die einzelnen Hochschulen. Die hohen Freiheitsgrade bei der Fächerkombination schaffen zwar Freiräume, haben aber den Nachteil, dass sie nicht auf einen speziellen Beruf vorbereiteten. Die Studierenden müssen also durch eigene Initiative berufsbezogene Schwerpunkte setzen.
Magister, Diplom und Staatsexamen, Studienabschluss alt BikabloDas Diplom war in den Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften der gängige Abschluss. Beim Diplom liegt der Schwerpunkt immer bei einem bestimmten Fach, das durch Nebenfächer erweitert wird. In der Abschlussbezeichnung wird das Hauptfach aufgeführt (z. B. Diplom-Soziologe). Das Diplom kann sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen erworben werden; muss im letzteren Fall aber durch den Zusatz „FH“ – z. B. Diplom-Ingenieur (FH) – gesondert gekennzeichnet werden. Bei den Bachelor- und Masterstudiengängen gibt es diese Kennzeichnung der Hochschulreform nicht mehr. Das deutsche Diplom hat insbesondere in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen international einen hervorragenden Ruf. Daher taten sich viele Hochschulen bei der Umstellung auf das neue Bachelor- und Mastersystem schwer und einige weigern sich sogar beharrlich, das neue System umzusetzen: „Warum halten wir an der TU Dresden am Diplom fest? Ganz einfach: Wir wollen unseren Studierenden in den Ingenieurwissenschaften die bestmögliche Ausbildung bieten. Wir wollen ihnen die Gelegenheit eines echten Studiums bieten, das nicht nur schulisches Abarbeiten von Pflichtveranstaltungen bedeutet, sondern Bildung innerhalb des weiten Spektrums der Ingenieurwissenschaften ermöglicht“ (academics.de). Echte Gallier, diese Sachsen.

Illustration: Ellen Burgdorf auf Basis von bikablo

Autor:

Prof. Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Wissenschaftliches Arbeiten und Digitales Marketing sind zwei Schwerpunkte seiner Arbeit.

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