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Mehr Erfolg im Beruf mit strategischer Karriereplanung – Teil 4

Der rote Faden in Ihrem Lebenslauf 

Unternehmen suchen für das untere und mittlere Management in aller Regel Funktionsspezialisten mit gradliniger Fachlaufbahn, das heißt mit stetig gestiegener Sach- und Personalverantwortung. Konkret: Für die Stelle eines Marketingleiters werden Bewerber mit einer Marketingkarriere gesucht, analoges gilt für den Leiter Controlling. Kontinuität ist das Zauberwort. Der Grund: Viele Firmen sind bei der Personalauswahl sehr risikoscheu. Am liebsten würden sie jemanden einstellen, der alles, was in der Stellenbeschreibung steht, schon einmal gemacht hat.

Eine zweite Anforderung, die mit der ersten unmittelbar zusammenhängt, ist die der Zielstrebigkeit. Arbeitgeber erwarten im Lebenslauf eines Bewerbers den berühmten roten Faden. Wenn Sie sich bewerben, sollten Sie jeden früheren Job-Wechsel gut begründen können. Idealerweise können Sie jede Tätigkeit in Ihrem Lebenslauf als notwendigen Schritt in Richtung auf Ihr langfristiges Ziel darstellen. Die Stelle, auf die Sie sich bewerben, kann dabei entweder bereits dieses Langfristziel sein oder eine Etappe auf dem Weg dorthin. Dies bedeutet im Umkehrschluss: Jede Position im Lebenslauf, die nicht erkennbar einen Schritt in Richtung auf die ausgeschriebene Stelle darstellt, wird leicht als Mangel an Zielstrebigkeit interpretiert. Dies bedeutet einen erheblichen Nachteil für alle Personen mit „bunten“ Lebensläufen.

Wer einen Lebenslauf studiert, sucht dessen innere Logik und fragt sich bei jeder aufgeführten Station: „Warum hat der Bewerber diesen Schritt gemacht? Was wollte er damit erreichen?“ Ist der Zweck nicht klar erkennbar, kommen schnell Zweifel an der Zielstrebigkeit des Bewerbers auf: „Weiß er überhaupt, was er will?“ Solche Zweifel sind für die Bewerbung verheerend, denn die Logik der Überlegung ist die folgende: Wenn er nicht einmal Zielstrebigkeit bei der Verfolgung seiner eigenen Karriereinteressen erkennen lässt, warum sollte er sie bei seiner täglichen Arbeit zeigen?

Unter diesem Aspekt sollte man sich jeden abrupten Wechsel der Tätigkeit oder der Branche sehr gut überlegen. Es kann gute Gründe dafür geben, Ihr Langfristziel zu ändern und etwas ganz neues zu beginnen. Aber einen solchen Wechsel können Sie nicht auf Probe machen, zumindest wenn Sie dabei auch noch das Unternehmen gewechselt haben. Wenn Ihnen der neue Weg nicht gefällt, ist es extrem schwierig, wieder zurück zu gehen. Sie würden Zweifel an Ihrem Urteilsvermögen oder an Ihrer Zielstrebigkeit wecken. Außerdem haben Sie ja gezeigt, dass Sie Ihrer bisherigen Tätigkeit überdrüssig waren. Wenn Sie also Ihren Berufsweg grundlegend ändern wollen, sollten Sie immer zuerst versuchen, ob dies nicht innerhalb Ihrer derzeitigen Firma möglich ist.

Wie bereits oben erwähnt, gibt es nicht nur den einen richtigen Weg zu einem Langfristziel. Diese Tatsache erschwert die zielgerichtete Karriereplanung. Um trotzdem den roten Faden nicht zu verlieren, sollten Sie immer mindestens die nächsten zwei Karrierestationen zusammen planen. Das heißt konkret: Bevor Sie sich auf einen Job bewerben, sollten Sie eine genaue Vorstellung davon entwickeln, welche Position Sie im Anschluss daran anstreben wollen. Stellen Sie durch Beobachtung des Arbeitsmarktes (zum Beispiel durch Analyse von Stellenanzeigen) sicher, dass die übernächste Position auch aus der nächsten heraus erreichbar ist.

Am Anfang der Berufslaufbahn ist diese Zweischritt-Planung in der Regel noch relativ leicht, da hier in vielen Bereichen Standardwege vorgezeichnet sind. So führt zum Beispiel der klassische Karrierestart im Marketing über die Stufen Assistent eines Produktmanagers, Produktmanager und Produktgruppenmanager. Im späteren Karriereverlauf sind die Wege weniger eindeutig, und gerade dann hilft die Zweischritt-Betrachtung besonders.

Widerstehen Sie Versuchungen. Achten Sie darauf, nicht von Ihrem geplanten Weg abzukommen. Überlegen Sie sich vor jedem Wechsel, was wäre, wenn Sie sich aus der angestrebten oder angebotenen Position heraus erneut bewerben müssten. Wie würden Sie dann später den jetzigen Wechsel begründen? Versuchungen gibt es immer wieder, auch im eigenen Unternehmen. Jede Firma versucht zum Beipiel, eine frei werdende Stelle zuerst innerbetrieblich zu besetzen. Für den Kandidaten, dem die Position angeboten wird, bedeutet sie nicht immer eine Beförderung, häufig nicht einmal eine nennenswerte Bereicherung an Erfahrungen im Hinblick auf sein Ziel. Der Firma ist das egal. Sie versucht lediglich, ein entstandenes Loch zu stopfen. Beurteilen Sie also jedes Angebot nur danach, ob es zu Ihrer Karriereplanung passt. Bleiben Sie Herr Ihrer Entscheidungen. Eine Stelle wird nicht dadurch besser, dass man sie Ihnen anbietet!

Literatur:
Lürssen, Jürgen: So macht man Karriere. E-Book, Frankfurt/M./New York: Campus 2003

 

Teil 3

Autor:

Jürgen Lürssen

Nach dem BWL-Studium und Promotion war Prof. Lürssen 17 Jahre lang erfolgreich im Marketing- und Vertriebsmanagement zweier großer Unternehmen der Chemie- und der Elektroindustrie tätig – zuletzt als Alleingeschäftsführer einer europäischen Vertriebsgesellschaft. Seit 1999 ist er Professor für Marketing und Vertrieb in Lüneburg – zuerst an der FH, seit 2005 an der Leuphana Universität. Im Campus Verlag erschienen von ihm drei Karriereratgeber, darunter der Bestseller Die heimlichen Spielregeln der Karriere – Wie Sie die ungeschriebenen Gesetze am Arbeitsplatz für Ihren Erfolg nutzen

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