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PuMa Clips-Crowdfunding – Wie können Kommunen trotz leerer Kassen leistungsfähig bleiben?

Das Schwimmbad muss saniert, die Hauptstraße geteert und das Rathausdach neu gedeckt werden – und gleichzeitig wünschen sich nicht nur der Fußballverein, sondern auch die Freiwilligenagentur und das Organisationskomitee des alljährlichen Käsefestes einen Zuschuss aus der Stadtkasse. Für eine solvente Kommune kein Problem – leider leiden aber viele deutsche Kommunen unter erheblichen Finanzsorgen, die Verwaltungen und Ratsmitgliedern unangenehme Entscheidungen aufzwingen: Soll im Falle einer Kürzung bei der Sportförderung oder beim Tierpark angesetzt werden? Und ist die Erweiterung der Kita wichtiger als die Ausbesserung der Schlaglöcher vor dem Rathaus?

In der Praxis werden Fragen wie diese meist suboptimal gelöst: Es wird hier und da ein wenig gekürzt, um kein Vorhaben endgültig aufgeben zu müssen – und einige Jahre (und Verteuerungen) später stellt man fest, dass zwar vieles begonnen, aber nichts wirklich zufriedenstellend beendet werden konnte. Da in vielen Kommunen keine strategischen Zielstellungen existieren, wird in Phasen der Konsolidierung oft nach dem „Rasenmäherprinzip“ gekürzt oder monatelang ergebnislos über Kleinstsummen diskutiert, wobei jeder Stakeholder die herausragende Bedeutung „seines“ Sportvereins, „seines“ Kulturprojekts oder „seines“ Umweltproblems verbissen verteidigt. Wo die Verwaltung, die Politik und vor allem die Bürgerinnen und Bürger die Kommune in zwanzig Jahren sehen, spielt in den sich stetig verkürzenden politischen Entscheidungsprozessen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Kommunale Streuerung

Alles angefangen – aber nichts zuendegebracht?

Wie man Kommunen bei der Erarbeitung strategischer Perspektiven und daraus abgeleiteter Haushaltsprioritäten unterstützen kann, ist aktuell Gegenstand mehrerer Forschungsprojekte aus dem Bereich des Public Management. Zu diesen gehört auch das von Prof. Dr. Jens Weiß vom Fachbereich Verwaltungswissenschaften an der Hochschule Harz geleitete und über das „Erasmus+“-Programm der EU finanzierte Projekt „KoWiSt“ – Kompetenzaufbau für eine wirkungsorientierte Steuerung in kleinen und mittleren Kommunen. Fünf Forschungseinrichtungen aus Italien, Österreich, der Schweiz, Deutschland und der Slowakei arbeiten im Rahmen von „KoWiSt“ am Aufbau einer Online-Lernplattform für die „strategieorientierte“ Weiterbildung nicht nur von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kommunen, sondern auch von Studierenden, Ratsmitgliedern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Ein interessantes Projekt, gar keine Frage – aber warum eins, über das hier im „Wissenschafts-Thurm“ berichtet wird? Ganz einfach: Weil mit Maximilian Fischer einer der studentischen Projektmitarbeiter noch ein eigenes „Nebenprojekt“ verfolgt – und weil er dieses über Crowdfunding finanzieren möchte. Fischer ist überzeugt davon, dass man die derzeit primär textbasierte Lernplattform durch die Einbindung audiovisueller Medien attraktiver gestalten und damit zusätzlich aufwerten könnte – beispielsweise durch filmische Praxisberichte aus Kommunen in den beteiligten fünf Ländern, die bereits heute mit Werkzeugen aus dem Methodenkoffer der strategischen Steuerung arbeiten. Wie verlief der Prozess der strategischen Zielfindung? Welche Einwände gab es seitens der Kommunalpolitik? Welche Probleme traten bei der Umsetzung in Verwaltungshandeln auf? Und inwieweit wurden die Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Kommunen am Zielfindungsprozess beteiligt?

Um seine „PuMa Clips“ – die „Public Management Clips“ – gemeinsam mit einigen Studierenden der Medieninformatik drehen zu können, braucht der 27jährige Student der Verwaltungswissenschaften Geld für HiWi-Verträge, diverses Material und Reisekosten. Geld, das er über ein Crowdfunding auf der Sciencestarter-Plattform (inzwischen ein Teil von StartNext) einwerben möchte. Einen ersten Kurzfilm, in dem das Projekt vorgestellt wird, haben die Studierenden schon gedreht – mit einem Ergebnis, das sich (auch dank der Unterstützung von Regisseur und Medienexperte Prof. Martin Kreyßig) wirklich sehen lassen kann.

Über das Crowdfunding-Projekt – das schon in einigen Tagen in die Finanzierungsphase starten wird – sollen bis Mitte April mindestens 4.000 Euro gesammelt werden. Das PuMa Clips-Team verpflichtet sich im Gegenzug dazu, dass alle für das Projekt gedrehten Filme nicht nur in die „KoWiSt“-Lernplattform integriert, sondern zudem unter einer freien Creative Commons-Lizenz via YouTube allen interessierten Kommunen zur freien Verfügung gestellt werden. Das Team des „Wissenschafts-Thurm“ wünscht allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen auf jeden Fall viel Erfolg und ist schon mehr als gespannt darauf, ob sich an der Hochschule Harz – nach dem ebenfalls über Sciencestarter finanzierten Projekt „Silver Clips“ im Jahr 2014 – ein zweiter Crowdfunding-Erfolg erzielen lässt. Wer das Projektteam unterstützen möchte, kann unter folgender URL (kostenlos) Fan werden – und sich demnächst natürlich auch am Crowdfunding beteiligen:

https://www.startnext.com/de/pumaclips

Autor:

Christian Reinboth

Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und einer der Mit-Gründer der HarzOptics GmbH, einem An-Institut der Hochschule Harz. Die Entwicklung und Planung umweltfreundlicher Beleuchtung sowie die statistische Datenanalyse sind wesentliche Schwerpunkte seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit.

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