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Über das Zitieren von E-Books in wissenschaftlichen Arbeiten

Darf man überhaupt E-Books in wissenschaftlichen Arbeiten zitieren? Von welchen Kriterien hängt die Beantwortung dieser Frage ab? Und falls man sie zitieren dürfte, wie müsste man es dann formal richtig machen? In dem folgenden Beitrag gehen wir diesen Fragen nach.

Dürfen E-Books zitiert werden?

Für viele, die eine Bachelor-, Masterarbeit oder Dissertation schreiben, stellt sich die Frage, ob E-Books überhaupt zitiert werden dürfen. Stellvertretend sei hier der Eintrag von FrolleinHelmut im Bym-Forum wiedergegeben, die am 5.1.2013 folgendes postete:

„E-Books in wissenschaftlichen Arbeiten zitieren
Ich habe gestern mal gegoogelt, ob es da schon Standards gibt. Gibt es natürlich noch nicht.
Für mich persönlich ist es aber klar, dass es die irgendwann geben wird, weil E-Book-Reader keine Modeerscheinung sind, sondern ein neues Medium.
Zum Thema gibt es einige Beiträge in Foren und es gibt Stimmen, die sagen, sie würden einem Studenten eine Hausarbeit mit E-Book-Quelle mit einer saftigen Bemerkung unbenotet zurückgeben, wenn man so einen Schund zitieren würde. Das wäre ja nun total unseriös.
Sagt mal, seht ihr da auch die Welt untergehen, wenn man aus E-Books zitiert? Es sind doch im Endeffekt auch Bücher in einer bestimmten Edition. Das Problem, dass man sie nicht einfach in der Bib ausleihen kann, sehe ich auch ein, aber die Leute tun so, als würde die stichhaltigkeit einer Quelle davon abhängen, ob sie auf Papier gedruckt oder einem elektronischen Gerät entnommen wurde.
Meiner Meinung nach sollen sich die Leute nicht so haben. Es muss ja nur eine Möglichkeit gefunden werden, wie man diese Quellen zitiert.
Habt ihr das schonmal gemacht oder einen Prof oder Dozenten gefragt, ob ihr E-Book nutzen dürft?“

Die Antwort lautet: Wenn die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt sind, dann spricht nichts dagegen E-Books als Quelle in wissenschaftlichen Arbeiten zu verwenden. Doch welche Kriterien müssen genau erfüllt werden?


Anforderungskriterien an wissenschaftliche Quellen

Die Anforderungskriterien leiten sich nicht aus der Reproduktionsform ab. Es ist unerheblich, ob die Quelle in digitaler oder in Papierform vorliegt. Maßgeblich sind allein die Kriterien der Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit. Ein Werk ist dann zitierfähig, wenn es veröffentlich ist. Ist das E-Book beispielsweise auf einem internen Server gespeichert, auf den kein allgemeiner Zugriff möglich ist, wäre die Zitierfähigkeit nicht gegeben. Die Zitierfähigkeit einer Quelle ist eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung für die Verwendung in einer wissenschaftlichen Arbeit. Hinzukommen muss das Qualitätskriterium der Zitierwürdigkeit. Dieses Kriterium erfüllen Texte, die als Resultat eines wissenschaftlichen Arbeitsprozesses entstanden sind. Folgende Fragen helfen, eine Einschätzung vorzunehmen:

  • Wie ist die wissenschaftliche Qualifikation des Autors zu bewerten?
  • Ist das E-Book in einem wissenschaftlichen Verlag erschienen?
  • Ist das Werk in einem Repositorium (siehe Beitrag Digitales Publizieren) gelistet?
  • Besitzt das digitale Buch eine ISBN (Internationale Standardbuchnummer)?
  • Ist das E-Book im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek zu finden?

Die Frage, ob Zitierwürdigkeit vorliegt, ist im Einzelfall sicherlich nicht immer einfach zu entscheiden. Doch dieses Problem trifft auf gedruckte Werke in gleicher Weise zu.

Wie E-Books zitiert werden

Für wissenschaftlicher Arbeiten stehen verschiedene Zitierweisen zur Verfügung. Wir wollen das Zitieren von E-Books am Beispiel der Harvard Zitierweise verdeutlichen, auf die wir bereits in einem Blogbeitrag eingegangen sind. Für das korrekte Wiedergeben einer Quelle sind zwei verschiedene Formen von E-Books zu unterscheiden.




Fall 1: E-Books mit festem Seitenlayout

E-Books mit Seitenzahlen und festem Seitenlayout werden gewöhnlich im PDF-Format veröffentlicht. Nicht selten sind sie digitale Abbilder von auf Papier gedruckten Büchern. In diesen Fällen stellt das Zitieren gar kein Problem dar und unterscheidet sich nicht wesentlich von der Nutzung „normaler“ Bücher. Wenn das E-Book nicht über Online-Buchshops vertrieben wird, dann sind im Literaturverzeichnis die Onlinequelle und das Datum des Abrufes anzugeben.

Beispiel1_ebooks

Bild 1: E-Books mit festem Seitenlayout

Fall 2: E-Books ohne festes Seitenlayout

E-Book Formate wie EPUB oder das Amazon-Format MOBI und KF8 haben ein flexibles Seitenlayout und können auf E-Readern (z.B. Kindle Voyage, Tolino Vision 2, Kobo Aura) sowie mit geeigneter Software bzw. Apps auf Computern, Smartphones und Tablets gelesen werden. Die Textdarstellung ist variabel und passt sich automatisch der jeweiligen Bildschirmgröße an (siehe auch unseren Beitrag über E-Books). Problematisch für das Zitieren ist die fehlende Seitenzahl. Statt Seitenzahlen wird auf E-Readern häufig eine Positionsangabe oder Prozentzahl angezeigt, die die aktuelle Stelle im Text lokalisiert. Wir halten diese Angaben für das Zitieren für ungeeignet, da nicht sichergestellt werden kann, dass alle derzeitigen und zukünftigen Ausgabegeräte identisch mit dem Positionsangaben verfahren. Daher empfehlen wir die fehlende Seitenzahl durch die Kapitelangaben im Buch zu ersetzen. In vergleichbarer Weise geht man mit Gesetzestexten um, wo auch keine Seitenzahlen, sondern Paragraphen zur Lokalisierung der zitierten Stelle verwandt werden. Es sollte aber der Zusatz „E-Book“ bei der Quellenangabe im Literaturverzeichnis mit aufgeführt werden, damit der Leser den Grund für die fehlende Seitenzahl erkennt. Es könnte darüber hinaus auch in einer Fußnote auf die fehlende Seitenzahl bei E-Books hingewiesen werden.

Beispiel2_ebooks

Bild 2: E-Books ohne festes Seitenlayout

 

Das E-Book im obigen Beispiel kann in diversen Onlineshops erworben werden: Amazon, Thalia.de,  bol.com, weltbild.de und andere mehr. Wenn ein E-Book über Onlineshops vertrieben wird, muss die Internetadresse wo man es heruntergeladen hat, nicht mit angegeben werden. Schließlich wird im Literaturverzeichnis der Buchladen, in dem man ein gedrucktes Buch gekauft hat, auch nicht genannt.

Drei Tipps zum Schluss

Hier noch drei Hinweise im Zusammenhang mit dem Zitieren von E-Books in wissenschaftlichen Arbeiten:

  1. Es mag einige Ausnahmen geben, aber allgemein ist das Ansehen gedruckter Texte in der Wissenschafts-Community höher als das von digitalen Quellen. Daher sollten Printmedien im Literaturverzeichnis dominieren.
  2. Einige Prüfer lehnen digitale Quellen rigoros ab. Vor Beginn der wissenschaftlichen Arbeit sollte daher geklärt werden, ob E-Books als Quelle statthaft sind.
  3. Wissenschaftlichkeit verlangt die Nachprüfbarkeit von Quellen durch Dritte. Digitalen Texten haftet aber das Manko der Flüchtigkeit an. Aufgrund ihrer Immaterialität sind sie bei einer Entfernung der Downloadmöglichkeit nicht mehr verfügbar. Daher sollten die genutzten digitalen Quellen immer als Kopie auf der eigenen Festplatte vorhanden sein.

Fazit

Ist sowohl die Zitierfähigkeit als auch die Zitierwürdigkeit gegeben, können digitale Bücher in wissenschaftlichen Arbeiten als Quellen benutzt werden. Bei E-Books mit flexiblem Seitenlayout ersetzt die Kapitelnummer die Seitenzahl.

Bildnachweis: E-Book-Reader © Eisenhans – fotolia.com

Literaturhinweis:
Kapitel 7, „Quellen richtig zitieren“, in: Uwe Manschwetus:
Ratgeber wissenschaftliches Arbeiten: Leicht verständliche Anleitung für das Schreiben wissenschaftlicher Texte im Studium

 

Autor:

Prof. Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Wissenschaftliches Arbeiten und Digitales Marketing sind zwei Schwerpunkte seiner Arbeit.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für den Ansatz, aber ich glaube, die Frage ist falsch gestellt und folgerichtig falsch beantwortet:

    Es kann nicht um Kriterien für die Zitierfähigkeit und -würdigkeit gehen, weil diese universell sind und ohne Abstriche auch für jede andere Veröffentlichungsform gelten.

    Renommierte Wissenschaftsverlage mit papierenen Veröffentlichungen sind kein Bollwerk gegen erhebliche sprachliche und sachliche Mängel. Ich habe bereits mehrere Bücher an deren Autoren, ordentliche Professoren an staatlichen Universitäten, korrigiert zurückgeschickt oder lange per E-Mail Berichtigungen durchgesprochen – und zwar auch schon, als ich noch studiert habe -.

    Wenn ich etwas zum Zweck einer wissenschaftlichen Arbeit gelesen habe oder zufällig durch eine andere Schrift, z.B. durch einen Fantasy-Roman, einen Durchbruch in meinen Gedanken hatte, dann gehören diese Werke wenigstens ins Literaturverzeichnis – selbst dann, wenn sie sich als nicht verwertbar herausgestellt haben sollten und ich nichts daraus zitiere -. Deshalb muss geklärt sein, wie etwas zumindest ins Literaturverzeichnis aufgenommen wird, also auch digitale Publikationen.

    Ich gehe einmal davon aus, dass heute der größte Teil der kontemporären Literatur nativ elektronisch ist, oder schreibt noch irgendeine Wissenschaftlerin, -ein Wissenschaftler mit Feder mehr als Kurznotizen auf Papier? Mein erster Professor hat uns im Proseminar auf den Pott gesetzt, dass er auf keinen Fall handschriftliche Arbeiten entgegennehmen werde. Wir sollten mindestens mit Schreibmaschine schreiben, besser noch mit einem Computer, wenn man sich zutraue, sich mit der neuen Technik zu befassen – ist schon sehr viele Jahre her -.

    Die Wandelbarkeit immaterieller Medien kann kein Grund sein, digitale Werke nicht zu zitieren oder wenigstens ins Literaturverzeichnis aufzunehmen. Dass wissenschaftliche Werke per se im Fluss sind, ist altbekannt. Nicht umsonst geben wir für papierene Werke die Auflage und alle Hinweise auf Überarbeitungen mit an: Auch Papier fließt. Wäre Unwandelbarkeit ein Kriterium, dürften wir gar nichts mehr zitieren – selbst die Bibel erscheint regelmäßig in neuen Überarbeitungen -. Und was wäre das für eine Wissenschaft, in der sich nichts mehr wandelte?

    Erreichbarkeit ist kein hinreichendes Kriterium. Damit würden ja alle Handschriften, sonstigen singulären Quellen und alte Werke, die nur noch in ein-, zwei Bibliotheken vorgehalten werden aber für ein Thema sachlich relevant sind, aus der Zitierfähigkeit fliegen.

    Die korrekte Frage ist meiner Ansicht nach: Welche bibliografischen Elemente muss ein elektronisches Werk haben, um eindeutig identifizierbar zu sein und wiedergefunden werden zu können. Ich kann nicht zitieren, was ich nicht eindeutig erfassen kann. Dazu müsste beantwortet werden, welche Normen für die bibliografische Erfassung einzuhalten und wiederzugeben sind – dazu geben Sie Hinweise -. Des Weiteren gehört m.E. dazu, wie man korrekt und eindeutig digital publiziert. Selbst Seminararbeiten sollten eigentlich so viele Informationen enthalten, dass sie eindeutig einem Autoren, einer Universität und einem Bearbeitungsstand zugeordnet werden können. Von dort zur digitalen Publikation fehlt nur noch, über welchen Dienst man so ein Dokument eindeutig auffindbar anbietet. Außerdem scheinen noch nicht alle Werkzeuge zur automatisierten Erfassung von Zitaten darauf vorbereitet zu sein, digital publizierte Werke zu erfassen. Ein Hinweis, wie man diese Hürden bei den Helferlein umschifft, wären hilfreich.

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