Ein leeres Dokument auf dem Rechner und der Mauscursor blinkt. Das Thema ist gesetzt und der Überbegriff ist klar, dennoch sitzt du angestrengt vor dem Computer, ohne Vorstellung, wo du beginnen sollst und wie es selbst nach einem gefundenen Anfang weitergehen soll. Wir zeigen dir, wie du mithilfe des sogenannten Clustering eine solche Schreibblockade überwinden kannst.
Entwickelt wurde das Clustering als Ansatz der Gedankensammlung und Gedankenstrukturierung von der amerikanischen Pädagogin Gabriele L. Rico und wurde in ihrem Buch „Writing the natural Way“[1] veröffentlicht. Die Idee des Clustering ist, dass sich die spontan auftretenden Assoziationen zu Bildmustern entwickeln, die wiederum eine Vielzahl von Gedanken, Erfahrungen und Eindrücke abrufen. Nach Rico ist das Clustering eine „Art Kurzschrift des bildlichen Denkens“. Das Clustering basiert auf dem Hintergrund der mittlerweile viel diskutierten Hemisphärentheorie. Bei dieser Theorie wird sich darauf bezogen, dass unser Gehirn in zwei verschiedene Gehirnhälften unterteilt ist. Demnach sei die linke Hemisphäre verantwortlich für das logische Denken und um Informationen nacheinander zu verarbeiten, während die rechte Gehirnhälfte die Verantwortung für unsere Gefühle trägt und somit als emotionaler Ausdrucksindikator wirkt. Außerdem solle in der rechten Hemisphäre das Dichten seinen Ursprung haben. Nach Rico sei eine der Grundvoraussetzungen für das natürliche Schreiben, dass die linke und die rechte Gehirnhälfte an dem Schreibvorgang beteiligt sind, da die linke Gehirnhälfte die kreativen Gedanken durch grammatische Regeln und Struktur miteinander verknüpft.
Du kannst das Clustering für verschiedene Anwendungsbereiche gebrauchen. In Band 2 der „Kleinen Online-Bibliothek des wissenschaftlichen Arbeitens“ haben wir das Clustering als Methode für das kreative Schreiben und das Durchbrechen von Schreibblockaden vorgestellt[2]. Des Weiteren kannst du die Vorteile des Clustering bei der Ideenfindung, Stoffsammlung, dem Einstieg in ein Thema oder der Problemerörterung nutzen. Zudem lässt sich das Clustering nicht nur allein anwenden, sondern kann auch in der Gruppe genutzt werden.
Du solltest beim Clustering wie folgt vorgehen:
Im Normalfall wird bei der Erstellung eines Clusters zuerst die jeweilige Assoziationskette zu Ende aufgeschrieben und dann wird bei einem nächsten Schlüsselbegriff weitergemacht. Das selbsterstellte Cluster kann auf Außenstehende eine chaotische und unstrukturierte Wirkung haben, da es schließlich die eigenen Gedanken und Assoziationsverknüpfungen widerspiegelt. Allerdings hat es für einen selbst die gegensätzliche Wirkung, da es hilft, Informationen aufzuzeigen und zu verknüpfen und in ein Wirrwarr neue Strukturen und Ansätze zu bringen. Wir haben die „Probe aufs Exempel“ gemacht und zum Kernbegriff „Studium“ ein Clustering erstellt. Das Ergebnis siehst du hier:
Auf den ersten Blick sind sich diese beiden Methoden sehr ähnlich und wurden tatsächlich relativ zeitgleich entwickelt. Allerdings unterliegen ihren Anfertigungsstrukturen unterschiedliche Muster und eine Abweichung kann ebenfalls hinsichtlich des Anwendungszwecks gesehen werden. Eine Mind-Map solltest du vor allem verwenden, wenn du eine Ordnung von Einfällen anstrebst. Das begriffliche Denken ist Ausgangspunkt und es entsteht eine hierarchische Ordnung von Ober- und Unterbegriffen. Das Clustering hingegen soll als kreative Arbeitstechnik der Ideenfindung und der Visualisierung von Gedanken dienen. Natürlich können diese beiden Methoden ebenfalls miteinander verbunden werden, indem du zuerst eine Ideenfindung durch das Clustering erzeugst und im nächsten Schritt eine Mind-Map zur Ordnung des gesammelten Stoffes anfertigst.
Bildnachweis: Clustering Ann Hildebrandt
Quellen:
[1] Rico, Gabriele. L. (1983): Writing the natural way : Using right-brain techniques to release your expressive powers, Los Angeles
[2] Manschwetus, Uwe (2015): Hürden antizipieren und meistern, Band 2, Kleine Online-Bibliothek des wissenschaftlichen Arbeitens, Lüneburg
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