Im Verwaltungshimmel

Kanzler

Deutschlands Hochschulen blicken mitunter auf ruhmreiche Historien zurück. Staatliche Hochschulen werden als „Körperschaften öffentlichen Rechts“ verstanden und werden auf oberster Ebene von den Mitgliedern des Rektorates geleitet. Im Rektorat findet man den Rektor, der das Leitungsamt der Hochschule bekleidet, Prorektoren als Stellvertreter unterschiedlicher hochschulinterner Geschäftsbereiche und einen Kanzler, um den es in diesem Abschnitt geht.

Der Kanzler, um den es in diesem Abschnitt geht, sitzt nicht zwangsläufig in Berlin und Auswärtstermine gehören nicht unmittelbar zu seinem Tagesgeschäft. Achtung: Kanzler ist nicht gleich Kanzler.

Der Kanzler einer Hochschule ist nicht zu verwechseln mit der Position des Bundeskanzlers, wenn auch die Stellen im Wortstamm gleich klingen. Um es vorwegzunehmen, die Stelle des Kanzlers einer Hochschule ist ähnlich einflussreich und mit viel Verantwortung verbunden. Überlieferungen zufolge musste der Kanzler (lat. cancellarius) als Vertreter des Papstes, bei der Errichtung einer Hochschule zustimmen. Damals versuchte man bereits, eine Amtsteilung zu berücksichtigen und die Verwaltungsarbeit auf hochkarätige Beamte zu verlagern. Selbst einige Hundert Jahre nach Errichtung gehört der Kanzler noch immer fest zum Bild der Hochschulstrukturen.

Die Aufgabenpalette konnte über die Jahre stets erweitert werden; aus der damaligen Stelle des Kanzlers, welche für hohe politische Beamte im Staatswesen stand, wurde im Hochschulkontext der uns bis heute erhalten gebliebene „Verwaltungschef“. Der heutige Kanzler ist innerhalb der Hochschule für die Leitung und Lenkung des gesamten nicht-wissenschaftlichen und nicht-künstlerischen Personals verantwortlich.

Dazu gehört der gesamte Haushalt, dessen Liegenschaften sowie damit verbundene Rechts- und Verwaltungsaufgaben. Ein bunter Strauß von Abteilungen reihen sich unter ihm ein. Aber einen Kanzler gibt es nicht nur bei uns, sondern auch im Ausland. An Hochschulen der USA als auch dem Vereinigten Königreich erfüllt der „Chancellor“, jedoch nur repräsentative Aufgaben. Obwohl die Stellenbezeichnungen sich ähneln, sind sie fachlich Meilen weit auseinander. Ein „Chancellor“ ist ein formeller Ehrenrektor, ein Titel, der oftmals an prominente Persönlichkeiten vergeben wird. Näher am Aufgabengebiet unserer Hochschulkanzler ist der „Registrar“; er ist als Verwaltungsleiter der „Herr der Akten“.

Als Verwaltungsleiter einer deutschen Hochschule bedeutet es einen kühlen Kopf zu bewahren, Aufgaben sowie Personal, das nicht unmittelbar mit Lehre und Studium zu tun hat, müssen koordiniert werden. Der Kanzler pflegt die fortlaufende Abstimmung mit der Hochschulleitung und tauscht sich auf Leitungsebene mit den Prorektoren und dem Rektor aus. Er ist bei allen Leitungssitzungen fest eingeplant, schließlich ist er festes Mitglied des Rektorates und die beauftragte Person für den Haushalt. Parallel laufende Projekte und Daueraufgaben überblickt er, laufende Vorgänge werden sogar manchmal mit persönlicher Unterschrift gezeichnet.

Ein Kanzler bewirtschaftet die Haushaltsmittel einer Hochschule und hat Einfluss auf die Wirtschaftsführung. An dieser Stelle soll nicht der Eindruck entstehen, dass alle hochschulinternen Projekte unmittelbar über seinen Schreibtisch laufen, er steuert jedoch die Geschäfte der Verwaltung und verantwortet Wirtschafts- und Personalverwaltung. Ein papierreiches Unterfangen, bei dem man sich dem Verwaltungshimmel sehr nah fühlt. Der Kanzler vertritt im Rahmen der Wirtschaftlichkeitskriterien den Verwaltungsbereich einer Hochschule.

Kanzler einer Hochschule zu sein bedeutet, gleichwohl Dienstvorgesetzter des nicht wissenschaftlichen und nicht künstlerischen Personals zu sein. Hochschulen sind durchaus komplex und funktional organisiert, um die Strukturen komplett zu verstehen, findet sich ein Organigramm auf der Hochschul-Website.

Thomas Karolczak

Thomas studierte Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Harz in Wernigerode und vertiefte in Fachrichtung B2B-, Logistik- und Marketingmanagement. Arbeitserfahrungen sammelte er im Beck’s Markenmanagment, Bremen. Auslandserfahrungen machte er sowohl in den USA als auch beim Studium an der Business Academy Southwest, Esbjerg (DK). Digitale Aktivierungskampagnen sowie IT-Affinität kennzeichnen sein Profil.

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  • Lieber Thomas,
    Du schreibst:

    "Der Kanzler einer Hochschule ist nicht zu verwechseln mit unserem deutschen Staatsoberhaupt, der Position des Bundeskanzlers, wenn auch die Stellen im Wortstamm gleich klingen. "

    Ich empfehle dir, dies zu korrigieren:
    Der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland ist nicht ihr Staasoberhaupt, das ist bekanntlich der Bundespräsident.

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