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Strukturieren, Analysieren, Argumentieren und mehr: 10 kostenlose Programme für Studierende

Unabhängig von der konkreten Studiendisziplin, erfordert (fast) jedes Studium ähnliche Fertigkeiten: Die Recherche von Informationen, das Strukturieren von Argumenten, das Verstehen fremdsprachlicher Texte, das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten oder das Auswendiglernen von Fachbegriffen, Formeln und Paragraphen. Viele dieser Aufgaben können durch geeignete Software erleichtert werden, die wiederum größtenteils kostenfrei im Internet verfügbar ist. Zehn besonders empfehlenswerte Programme für unterschiedliche Aufgaben und Einsatzbereiche, sollen hier nachfolgend kurz vorgestellt werden.

1) Themen visuell erschließen: Free Mind (Windows, Mac, Linux)

Bei Mind Maps handelt es sich um eine aus dem Brainstorming-Bereich stammende Technik zur visuellen Erschließung von Themen, die sich unter anderem bei der Planung von Studienarbeiten und Projekten, bei der Vorbereitung auf Prüfungen, für die Ideenfindung in studentischen Arbeitsgruppen oder zur „visuell-stenografischen“ Strukturierung von Vorlesungsmitschriften einsetzen lässt. Mit Free Mind ist eines der besten und meistgenutzten Mind Mapping-Programme kostenfrei und plattformübergreifend verfügbar – ein Tool, dass man wirklich einmal ausprobiert haben sollte. Der Screenshot zeigt beispielhaft die Nutzung einer Mind Map (hier mit lediglich drei Ebenen) zur Strukturierung einer fiktiven Bachelor-Arbeit zum Thema Lichtverschmutzung. Die Möglichkeit, alle Elemente beliebig neu anzuordnen, zu ergänzen oder wieder zu löschen, schafft hier eine dynamische „Landkarte“ der Arbeit, die man bis zur völligen Zufriedenheit immer wieder umgestalten kann.

http://freemind.sourceforge.net

Mind Map - Free Mind

2) Überzeugendere Texte formulieren: Argumentative (Windows)

Die Erarbeitung einer in sich geschlossenen und überzeugenden Argumentationskette ist eine häufige Anforderung an das Fazit von Haus-, Semester- und Studienarbeiten sowie studentischen Vorträgen. Geht man diese Aufgabe unstrukturiert an, kommt man leider schnell in die Gefahr, sich zu verzetteln: Argumentationsstränge werden nicht zu Ende geführt, Aussagen widersprechen sich und wichtige Argumente werden übersehen und vergessen. Die Anlage einer sogenannten „Argument Map“ – einer visuellen Übersicht von Haupt- und Nebenargumenten, Annahmen, Bedingungen, Fakten, Einwürfen und Schlussfolgerungen – kann hier eine große Hilfe sein. Argument Maps ähneln den bekannteren Mind Maps und werden derzeit in Deutschland – im Gegensatz zu den USA – als Tool außerhalb der Consulting-Branche bedauerlicherweise (noch) kaum verwendet, obwohl sie durchaus auch in Studium und Lehre großen Nutzen entfalten können. Eine besonders empfehlenswerte Open Source-Software zur Erstellung von Argument Maps ist Argumentative, deren Webseite außerdem eine lesenswerte (englischsprachige) Einführung in deren Aufbau und Regeln bietet.

http://argumentative.sourceforge.net

3) Fremdsprachliche Texte schnell übersetzen: LingoPad (Windows)

Zu meinen Studienzeiten waren elektronische Wörterbücher nicht nur teuer, sondern auch noch äußerst nützlich, da der ständige Zugriff auf das Internet und damit auf Wörterbuch-Webseiten wie www.leo.org oder entsprechende Smartphone-Apps noch nicht selbstverständlich waren. Heute gibt es entsprechende (gute) Anwendungen zwar bereits kostenfrei, dennoch kann es sich lohnen, ein elektronisches Wörterbuch auf dem Rechner zu installieren – beispielsweise für die Arbeit während längerer Fahrten in der internetfreien Deutschen Bahn oder auch für bewusst vom Internet getrennte Rechner für „störungsfreies“ Arbeiten. Eine von vielen Anwendungen für die Variante Deutsch <> Englisch ist das (unaufdringlich) werbe- und spendenfinanzierte LingoPad.

https://www.ego4u.de/de/lingopad

LingoPad

4) Karteikarten-Lernen am PC: Mnemosyne (Windows, Mac, Linux)

Auch wenn das „Bulimie-Lernen“ – das Auswendiglernen einer großen Menge Lernstoffs für ein Examen mit meist kurzer Halbwertszeit im Gedächtnis – unter Studierenden nicht gerade beliebt ist, gehört es zumindest in einigen Fächern schlicht dazu. Die kostenfreie Software Mnemosyne bildet die bekannte „Offline“-Variante des Lernens über Karteikarten-Stapel plattformübergreifend ab, wobei die Karten neben Texten und Lückentexten auch Bilder, Formeln, Klänge, Musik und sogar Videos enthalten können. Selbsterstellte Karten lassen sich beliebig fein untergliedern, so dass die gezielte Vorbereitung auf einzelne Themen möglich wird. Umfangreiche Statistiken sowie das Wiederholen nur solcher Karten, bei denen falsch geantwortet wurde, erleichtern die Prüfungsvorbereitung. Vom klassischen „Vokabelpauken“ bis hin zum Erlernen von Gesetzen und Formeln, ist mit Mnemosyne alles möglich.

http://mnemosyne-proj.org

5) Geometrie leicht gemacht: GeoGebra (Windows, Mac, Linux)

Bei GeoGebra handelt es sich um eine freie Mathematiksoftware mit hoher Funktionsvielfalt, die sich insbesondere durch die Möglichkeit auszeichnet, Geometrie und Algebra visuell miteinander zu verknüpfen. Im Sinne des „Learning by doing“ kann man sich dadurch leicht vor Augen führen, wie sich etwa die x- und y-Achsenschnittpunkte einer Geraden verschieben, wenn man die zugehörige Funktion ändert, oder was mit der Form einer Chi²-Verteilung geschieht, wenn man die Anzahl der Freiheitsgrade erhöht oder verringert. Für Studierende, denen – wie mir – Algebra stets leicht fiel, während Geometrie zu Kopfzerbrechen führte, ist GeoGebra ein geradezu ideales Tool, um die Spiegelung an Geraden, die Konstruktion von Winkeln und geometrischen Körpern oder auch den Aufbau von Verteilungen „greifbar“ und damit besser verständlich zu machen. Eine tolle Software – auch für die Schule.

http://www.geogebra.org

GeoGebra

6) Programmieren ohne Hürden: BASIC256 (Windows, Mac, Linux)

Das Erlernen der ersten Programmiersprache kann eine verzwickte – aber auch spannende – Angelegenheit sein. Während man in Schulen und auch Hochschulen heute oft versucht, direkt mit einer modernen, objektorientierten Programmiersprache einzusteigen, habe ich das Programmieren in den 1990ern noch in BASIC (daheim am C64) und später in PASCAL (an PCs in der Schule) erlernt, um erst viel später im Studium mit Sprachen wie Java und C++ in Kontakt zu kommen. Da ich auf diesem inkrementellen Weg stets gut vorankam, bin ich auch heute noch der Ansicht, dass man gut daran tut, die Grundlagen imperativer Programmierung (Ein-/Ausgaben, Entscheidungen, Schleifen…) in einer überschaubaren und leicht zu beherrschenden Sprache und Umgebung zu erlernen. BASIC256 bietet eine solche Sprache – eben das gute alte BASIC – ebenso wie eine aufgeräumte Arbeitsumgebung mit textuellem und grafischem Output. Darüber hinaus existiert mit dem „BASIC Book“ ein umfassendes und kostenloses Online-Tutorium. Für Windows gibt es sogar eine portable BASIC256-Variante, die sich ohne Installation direkt von USB-Laufwerken oder aus der Cloud starten lässt.

http://www.basic.256.org
http://www.basicbook.org

7) Prozesse verstehen und optimieren: ARIS Express (Windows, Mac)

Die Erstellung übersichtlicher Prozessmodelle und die aussagekräftige Visualisierung von Prozesslandschaften sind nicht nur für angehende Betriebswirtinnen und Betriebswirte von Relevanz, sondern sind in allen Disziplinen sinnvolle Fähigkeiten, in denen sich wiederholende Prozesse erfasst, verstanden, auf Fehler hin untersucht und optimiert werden sollen. Ein weit verbreitetes Vorgehen ist die Erstellung sogenannter ereignisgesteuerter Prozessketten (EPK) aus der Prozesssicht des ARIS-Konzepts – eines von August-Wilhelm Scheer entwickelten Ordnungsrahmens für Informationssysteme. Mit ARIS Express stellt die Software AG – einer der größten deutschen IT-Konzerne – seit einigen Jahren eine kostenfreie Variante ihres ARIS Toolsets zur Verfügung, das sich vor allem an Einsteiger/innen und Studierende richtet, und das – unter anderem – die Modellierung der besagten EPK gestattet. Eine kurze Vorstellung der wichtigsten EPK-Elemente und -Regeln findet sich hier und hier im Blog unseres An-Instituts HarzOptics GmbH, wo wir die Software unter anderem zur Modellierung und Standardisierung von Laborabläufen einsetzen.

http://www.ariscommunity.com/aris-express/

8) Projekte effektiv planen: Gantt Project (Windows, Mac, Linux)

Nicht nur große Industrieprojekte, sondern auch Hausarbeiten, studentische Gruppenarbeiten und insbesondere wissenschaftliche Abschlussarbeiten sollten professionell geplant werden. Tools wie Gantt Projekt können hierbei nützliche Werkzeuge sein. Mit Gantt Project lässt sich ein Projekt visuell auf einer Zeitachse planen, wobei unter anderem Abhängigkeiten zwischen Arbeitspaketen (Mit X kann erst begonnen werden, wenn Ergebnisse aus Y vorliegen), technische und personelle Ressourcen sowie Meilensteine und Abbruchbedingungen erfasst werden können. Im Application Lab der Hochschule Harz konnten wir mit dieser Software im Rahmen der Planung und Begleitung von F&E-Projekten in den vergangenen Jahren zahlreiche positive Erfahrungen sammeln, so dass ich Gantt Project uneingeschränkt empfehlen kann. Wie man Gantt Project für die effektive Planung der eigenen Bachelor- oder Master-Arbeit einsetzen kann, wird hier ausführlich erläutert.

http://www.ganttproject.biz

9) Texte sauber setzen: TeXstudio (Windows, Mac, Linux)

Während man eine Semesterarbeit noch sehr gut mit einer gängigen Textverarbeitung wie LibreOffice Writer oder Microsoft Word bewältigen kann, sollte man spätestens für eine Bachelor-Arbeit einen Umstieg auf LaTeX erwägen. Bei LaTeX handelt es sich um ein Textsatzsystem in Form einer Auszeichnungssprache ähnlich HTML, d.h. man editiert einen Text nicht in einer „What you see is what you get“-Umgebung, in der sowohl geschrieben als auch gelayoutet wird, sondern in einem meist eher einfach wirkenden Editor unter Verwendung von Markup-Tags, über die sich z.B. Überschriften oder Absätze definieren lassen.

Der große Vorteil gegenüber einer klassischen Textverarbeitung besteht darin, dass ein LaTeX-generiertes Dokument exakt – und ohne Arbeit für den Nutzer – den zuvor festgelegten Layoutregeln folgt und es zudem bei langen Texten nicht ständig zum Verrutschen von Inhalten oder zu ungewollten Seitenumbrüchen kommt. Für die Erarbeitung längerer Abschlussarbeiten, bei denen Regeln u.a. zum Seitenaufbau oder zu Quellenangaben exakt befolgt werden müssen, zweifellos ein großer Gewinn. Auch wenn das Editieren von Dokumenten in LaTeX zunächst zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig ist – mit LaTeX wird es nie wieder passieren, dass nach einem hinzugefügten Satz auf Seite 8 plötzlich die Grafik auf Seite 50 in die Tabelle rutscht.

LaTeX-Dokumente können mit verschiedenen Editoren erstellt und bearbeitet werden, die mehr oder weniger Bedienkomfort bieten. Eine kostenlose Arbeitsumgebung, mit der ich mich in den vergangenen Jahren gut anfreunden konnte, ist TeXstudio, das unter anderem ein Syntax Highlighting, die Möglichkeit des Einbindens von Wörterbüchern für die Rechtschreibprüfung, eine integrierte PDF-Vorschau sowie einen enorm hilfreichen Assistenten für die etwas unübersichtliche Erstellung von Tabellen in LaTeX bietet. Der Screenshot zeigt übrigens einen Ausschnitt aus dem LaTeX-Markup für den dritten Lehrbrief des Fernlehrgangs „Technische Optik“ unseres An-Instituts, dessen Lehrmaterialien von uns vollständig mit TeXstudio erstellt wurden.

http://www.texstudio.org

TeXstudio

10) Daten auswerten: Smith‘s Statistical Package (Windows, Mac)

Viele Bachelor- und Masterarbeiten beinhalten – ganz unabhängig von der Studiendisziplin – einen empirischen Part, in dessen Rahmen ein Experiment oder eine Erhebung geplant, durchgeführt und statistisch ausgewertet wird. Häufig kommt dabei die marktführende statistische Analysesoftware SPSS zum Einsatz, zu der es jedoch auch eine Reihe guter und kostenfreier Alternativen gibt, von denen ich einige bereits vor einigen Wochen in diesem Artikel vorgestellt hatte. Eine weitere erwähnenswerte Alternative ist Smith‘s Statistical Package, das alle gängigen Größen der deskriptiven sowie der explorativen Statistik (Lagemaße, Streuungsmaße, Verteilungsmaße…), die wichtigsten grafischen Darstellungsformen (Balkendiagramm, Streudiagramm, Histogramm, Box-Plot…) sowie auch einige induktive Verfahren (Regressionsanalyse, Varianzanalyse, verschiedene statistische Tests wie T-Test oder Chi²-Test…) beherrscht. Als Ausgleich für das Fehlen komplexerer Verfahren ist SSP übersichtlich, leicht bedienbar und startet sowohl unter Windows als auch auf dem Mac ohne Installation.

http://economics-files.pomona.edu/GarySmith/StatSite/SSP.html

Warum keine Literaturverwaltung?

Dem geneigten Leser wird aufgefallen sein, dass sich unter den zehn hier empfohlenen Programmen keine Software zur Literaturverwaltung befindet, obwohl mit Mendeley, Citavi Free, Jabref oder Docear einige sehr gute bis hervorragende kostenfreie Programme verfügbar sind. Der Grund hierfür ist, dass es zu diesem besonders wichtigen Thema – eine gute Literaturverwaltung ist für die Anfertigung einer hochwertigen wissenschaftlichen Arbeit geradezu unerlässlich – noch einmal einen eigenen Beitrag mit den „Top 5“ der kostenlosen Literaturverwaltungen hier im Wissenschafts-Thurm geben wird.

Welche Top-Gratis-Software für Studium und Lehre haben wir hier noch vergessen? Um Ergänzungen und Hinweise in den Kommentaren wird gebeten.

Autor:

Christian Reinboth

Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und einer der Mit-Gründer der HarzOptics GmbH, einem An-Institut der Hochschule Harz. Die Entwicklung und Planung umweltfreundlicher Beleuchtung sowie die statistische Datenanalyse sind wesentliche Schwerpunkte seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Christian Reinboth

      Grüße zurück! Manuskript kannte ich noch gar nicht – sieht durchaus interessant aus. Kommt mit Sicherheit auf die lange Liste der irgendwann mal zu testenden Software…

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