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Jura für Einsteiger – Schon am Anfang an das Ende denken

Jura für Einsteiger und Nichtjuristen

Jura – für viele Studierende ein Reizwort: Einigen erscheint das Fach kompliziert, anderen sterbenslangweilig. Dabei haben rechtliche Fächer wirklich viel zu bieten – vorausgesetzt man findet den Einstieg. Diese erste Folge des „Jura Survival Guide“ zeigt, wie man gleich von Anfang an die Weichen richtig stellt.

Herzlich willkommen zu diesem ersten Blogbeitrag zum „Jura Survival Guide“. Vielleicht fragen Sie sich ja: Was, ein Studienführer, um Jura zu überleben? Ja, Sie lesen ganz richtig. Erfahrungsgemäß haben nämlich viele Studierende mit den Rechtsfächern so das eine oder andere Problem. Das gilt für Einstiegssemester, die ganz klassisch Jura studieren, ebenso, wie für diejenigen, die Jura „nur“ als Nebenfach belegen.

Aber warum hadern eigentlich so viele mit Jura? Ein Grund: Man bekommt im Studium zwar gesagt, was man alles lernen soll (und schon dadurch fühlt sich mancher überrumpelt!). Aber man erfährt meist leider nichts dazu, wie das gut gelingen kann. Da bleibt man regelmäßig auf sich allein gestellt. Diese Serie möchte Abhilfe schaffen und leicht umsetzbare Tipps und Tricks an die Hand geben, um den Paragrafendschungel zu meistern. Nicht mehr und nicht weniger. Vieles davon lässt sich übrigens auch für andere Fächer nutzen. Man schlägt also gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe.

Die Anforderungen kennen

Jeder Blogbeitrag wird sich künftig einem ausgewählten Thema widmen. In diesem Beitrag geht es gleich um etwas ganz Grundlegendes (ja vielleicht sogar um das das Wichtigste überhaupt), nämlich um eine Antwort auf die Frage:

Was wird eigentlich von mir erwartet?“

Stellt man Studierenden diese Frage, weiß überraschenderweise kaum jemand darauf eine Antwort. Und das kann sich natürlich rächen. Denn dann besteht leicht die Gefahr, irgendwo im Nebel herumzustochern und vielleicht richtig viel zu machen, aber nicht vieles richtig.

Jüngst war in der Legal Tribune Online zu lesen, dass sogar viele angehende Juristen oft mit falschen Vorstellungen ins Studium starten. Am Ende steht nicht selten der Studienabbruch, weil schlichtweg die Erwartungen nicht passten. Das muss nicht sein.

Tatsächlich ist das mit dem Studieren aber so eine Sache. Ich gehe einmal davon aus, dass Sie – wie die meisten Einsteiger – bisher noch kein Studium erfolgreich abgeschlossen haben, oder? Viele denken dennoch, sie wüssten, wie man „richtig“ studiert, nur um dann nach einigen Semestern festzustellen – hoppla! – offenbar funktioniert das doch etwas anders als das Lernen in der Schule. Woher soll man es auch besser wissen? Man bekommt das ja nirgends beigebracht. Für ein Fach wie Jura gilt das sogar ganz besonders, denn damit hat man auch in der Schule nur selten etwas zu tun.

Wenn Sie es anders angehen wollen, dann fragen Sie sich also jedes Semester aufs Neue: „Was wird eigentlich von mir erwartet?“.  Wenn man darauf eine Antwort hat, dann lässt sich das Studium viel gezielter und zugleich entspannter angehen, getreu der Devise „Gefahr erkannt – Gefahr gebannt“. Denken Sie also gleich zum Semesteranfang schon an das Ende.

Was man von Ihnen erwartet

Aber wie findet man nun eine Antwort auf die Frage, was einen erwartet? Das ist glücklicherweise ganz leicht: Man braucht sich nur mit den jeweiligen Anforderungen eines Faches vertraut zu machen. Darauf sollten Sie vor allem dann achten, wenn Sie Jura als Nebenfach belegen. Denn dann können die Anforderungen – je nachdem was für einen Studiengang Sie belegen – nämlich ganz unterschiedlich sein:

Beispiel: Wenn man Wirtschaftswissenschaften studiert, dann steht die Rechtsanwendung und das Lösen von Fällen womöglich gar nicht im Mittelpunkt einer Vorlesung. Ganz anders kann es dagegen aussehen, wenn man sich mit Verwaltungswissenschaften beschäftigt.

Zitat Ford

Wenn man sich mit den Anforderungen Ihres Faches vertraut machen will, dann kann man das in zwei Richtungen tun:

  • die Anforderungen des jeweiligen Studienfachs selbst unter die Lupe nehmen,
  • die Anforderungen der Dozentin oder des Dozenten berücksichtigen.

Gewusst wo

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Und woher – bitte schön – bekommt man die notwendigen Informationen? Auch das ist ganz einfach:

  • Modulbeschreibungen. Wenn Sie es noch nicht getan haben, dann holen Sie das am besten jetzt gleich nach und schnappen Sie sich die Modulbeschreibung zu dem jeweiligen Rechtsfach. Sie haben noch nie davon gehört? Kein Problem, die wenigsten haben das. Sie finden diese Informationen in den jeweiligen Modulhandbüchern. Die gibt es für jeden Studiengang und stehen jeweils im Internet zum Download bereit.
  • Dozenten. Was in den Modulbeschreibungen steht ist das eine. Wie das in der Praxis „gelebt“ wird, liegt auch ein bisschen an Ihren Dozenten. Vielleicht gibt es ja ein Skript. Damit lassen sich auch schon Schwerpunkte ausmachen. Scheuen Sie sich im Übrigen nicht, einfach nachzufragen. Sie können dafür entweder die Sprechstunde nutzen oder – noch besser – sich gleich zu Beginn in den ersten Vorlesungsstunden erkundigen. Gehen Sie es z. B. wie folgt an: „Ich hätte da noch einmal speziell eine Frage zu diesem Fach. Wenn ich gleich von Anfang an erfolgreich einsteigen will, worauf sollte ich dann unbedingt achten?“. Dozenten, die es ernst meinen, werden Ihnen darauf eine passende Antwort geben. Lassen Sie sich nicht mit einer Antwort abspeisen wie: „Nehmen Sie einfach regelmäßig hier an der Vorlesung teil, dann merken Sie das schon“. Haken Sie gegebenenfalls nach: „Das will ich auf jeden Fall tun. Vielleicht könnten Sie uns schon etwas zu den Schwerpunkten der ersten Veranstaltungen sagen? Das wäre klasse. Danke!“. Trauen Sie sich!
  • Studenten. Und dann sind da ja noch Studenten aus höheren Semestern. Sofern die ihre Prüfungen bereits erfolgreich bestanden haben (vielleicht sogar beim gleichen Dozenten), können Sie sich bei denen ebenfalls informieren. So können Sie etwa in Erfahrung bringen, wie die Prüfungen aussehen, wie es um etwaige Schwerpunkte bestellt ist und erhalten gegebenenfalls auch Tipps zur Vorbereitung.

Die Anforderungen schriftlich festhalten

Wenn man so einen Überblick bekommen hat, dann tut man gut daran, die Erkenntnisse unbedingt schriftlich festzuhalten. Warum? Ansonsten besteht die Gefahr, dass genau diese zentralen Punkte im stressigen Studienalltag schnell wieder aus dem Blick geraten. Die Übersicht ist so etwas wie der Kompass oder die Landkarte, um auf das Ziel hinzusteuern, das man erreichen möchte.

Wie kann man am besten vorgehen? Schreiben Sie zu Beginn des Semesters einmal auf, welches Rechtsfach oder welche Rechtsfächer (wenn es mehrere sind) anstehen. Notieren Sie dann das, was von Ihnen jeweils erwartet wird. Manches muss man wissen, anderes muss man können. Tragen Sie alles in eine Übersicht ein (wenn Sie wollen, dann können Sie auch Mindmaps nutzen). Hauptsache Sie halten die wichtigen Eckpunkte einmal fest. Man kann eine solche Übersicht im Laufe des Semesters natürlich immer weiter verfeinern. Eine erster Entwurf könnte beispielsweise so aussehen:

Anforderungen

Machen Sie sich wirklich von Anfang an mit den jeweiligen Anforderungen vertraut. Ausreden wie „Ach das Semester ist ja noch so lange hin!“ gelten nicht!

Erfolgsmomente

Und schon haben Sie die ersten Jura-Erfolgsmomente, denn Sie

  • beginnen aktiv zu studieren
  • kennen die Anforderungen zum jeweiligen Fach
  • behalten mit wenig Aufwand den Überblick
  • können sich gezielter vorbereiten
  • stochern nicht (mehr) im Ungewissen

Und hier noch einmal alles kurz gefasst auf einen Blick:

Auf einen Blick: Anforderungen kennen

Und wie sind so die eigenen Erfahrungen? Gibt es weitere Tipps für den Einstieg? Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Autor:

André Niedostadek

André Niedostadek ist Professor für Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht an der Hochschule Harz und Verfasser mehrerer Jura-Lernbücher aus der bekannten "Für Dummies"-Reihe. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @niedostadek.

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