Suche
Suche Menü

Selbstbesinnung – Zeitmanagement leicht gemacht

Logo Tiefgangprinzip

Selbstreflexion – noch lieber spreche ich von Selbstbesinnung – ist eine im wahrsten Sinn des Wortes entscheidende Grundlage für authentisches Handeln. Um unserem eigenen Wesen, unseren Bedürfnissen und Potenzialen gerecht zu werden, müssen wir uns besser kennenlernen – was keineswegs selbstverständlich ist. Selbst eine ausgewogene Work-Life-Balance führt nicht automatisch dorthin, denn sie kann gut auf der Oberfläche von Pflichtrunden und Freizeitvergnügen surfen, ohne jemals eine Tiefe zu berühren. Doch erst aus der Tiefe des persönlichen Wesenskerns heraus entwickelt sich ein selbstwirksames, autonomes Leben, und der „Tauchgang“ dorthin erfolgt per Selbstbesinnung.

Richtiger oder falscher Weg?
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Petra macht es vor: Die junge Hausärztin bittet mich um ein Gespräch, weil sie sich erschöpft und deprimiert fühlt. Sie kann sich das überhaupt nicht erklären, denn sie empfindet ihr Leben als durchweg positiv: Sie arbeitet gern in ihrem Beruf, hat ein liebevolles Verhältnis zu ihrem Mann und ihren beiden Kindern, und eine zuverlässige Haushaltshilfe hält ihr den Rücken frei. Da sie sich die Praxis mit einem Partner teilt, hat sie genug Freizeit zum Malen, für das Golfspiel mit ihrem Mann oder Unternehmungen mit der ganzen Familie. Alles ist rund, sie fühlt sich auch keineswegs überfordert – weshalb also immer wieder diese depressiven Phasen?

Hier die Essenz unserer drei Beratungsgespräche:

Um der depressiven Stimmung auf den Grund zu gehen, braucht Petra Zeit zum Nachdenken und Nachspüren, was sich aus der Tiefe heraus vielleicht zu Wort melden will – und zwar nicht nur einmalig bei unserem Gespräch, sondern kontinuierlich. Also ist ihre erste „Hausaufgabe“, zugeschnitten auf ihre Möglichkeiten und Bedürfnisse, Zeiten zu bewusster Selbstreflexion einzurichten. Die Rahmenvorgaben sind: über den Tag verteilt mehrere kurze Besinnungsmomente, einmal am Tag eine Reflexionszeit von fünf bis zehn Minuten, einmal pro Woche möglichst eine Stunde Besinnungsauszeit, einmal im Monat einen halben Tag.

Petras Besinnungsplan

Petra entscheidet sich, in ihrer Praxis nach jeder längeren Patientenbegegnung ein paar Sekunden innezuhalten, sich bewusst vom letzten Patienten zu lösen und auf den nächsten einzustellen. Nach der Sprechstunde gibt sie sich einige Minuten, um die wichtigsten Eindrücke des Arbeitstages noch einmal auf sich wirken zu lassen. Einmal in der Woche setzt sie sich auf dem Heimweg von ihrer Hausbesuchstour auf einen Espresso ins Café und macht sich Notizen über Dinge, die sie bewegen. Einmal im Monat nimmt sie einen halben Tag „familienfrei“, um Gedanken und Gefühle beim Schreiben ihres Tagebuchs oder im Gespräch mit einer Freundin zu vertiefen.

Silhouette sitzende Frau
Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

Sechs Wochen später, beim zweiten Treffen, wertet Petra ihre Erfahrungen mit den Besinnungszeiten aus: Sie stellt erfreut fest, dass trotz dieser Unterbrechungen die Zeit für Praxis und Familie nicht knapper wird; im Gegenteil, meist arbeitet sie jetzt konzentrierter und ist damit letztlich schneller fertig, sogar ihr Mann und ihre Kinder finden sie „irgendwie präsenter“. Und erstaunt stellt sie fest, dass sich in ihrer Selbstreflexion tatsächlich unerwartete Fragen auftun: Sie spürt vage, dass irgendetwas in ihrem Traumberuf nicht stimmt.

Dem näher auf die Spur zu kommen, ist die Aufgabe bis zum nächsten Termin. In ihren Besinnungszeiten wird ihr, allein oder auch im Gespräch mit Ehemann und Freunden, immer deutlicher, was sie in ihrem Beruf nicht befriedigt. Sie tut sich schwer mit dem, wie sie es nennt, „normierten Verwalten von Symptomen“, sie wünscht sich eigentlich einen tiefer greifenden Heilansatz. In den folgenden Monaten informiert sie sich über verschiedene komplementäre Heilverfahren, und im Endergebnis erlernt sie ein ganzheitliches Therapiesystem, durch das viele ihrer Patienten langfristig gesünder werden. Petra ist zufrieden, ihre depressiven Phasen lösen sich auf, und wenn sich doch mal wieder ein Anflug zeigt, weiß sie, dass es Zeit wird, wieder genauer in sich hineinzuhören.

Andreas: Selbstbesinnung? Keine Zeit! – Wetten, doch?

Anders ist die Situation bei Andreas. Als Geschäftsführer eines Großunternehmens klagt er darüber, dass ihm seine Aufgaben manchmal über den Kopf wachsen; er befürchtet, den Überblick zu verlieren und dadurch weitreichende Fehler zu machen. Gegen Besinnungszeiten sträubt er sich anfangs, da er „für sowas nicht auch noch Zeit“ hat. Gemeinsam entwerfen wir einen Plan, den er immerhin als Versuch akzeptiert.

Kurzbesinnungen, die sich wie bei Petra an Arbeitsabläufe binden, würden Andreas nach eigenen Worten „nur noch konfuser machen“. Aber er lässt sich darauf ein, zwei feste Unterbrechungen von je zwei Minuten in seinen Arbeitstag einzubauen. Zur Erinnerung stellt er den Wecker auf seinem Handy ein. Bei „Besinnungsalarm“ steht er, sofern ihn nicht etwas wirklich Wichtiges wie eine Sitzung daran hindert, von seinem Schreibtisch auf, geht ans Fenster und macht ein paar tiefe Atemzüge. Er nimmt bewusst wahr, wie er sich fühlt und welche Gedanken ihn beschäftigen. Nach dieser Unterbrechung kehrt er, was ihn überrascht, erfrischt und konzentrierter an seine Aufgaben zurück. Einen „Zeitverlust“ kann er dadurch nicht feststellen, und schon bald möchte er diese Unterbrechungen nicht mehr missen.

Die etwas längere Tagesbesinnung legt er in das übliche Gespräch mit seiner Frau beim Abendessen, sie reden dann ohnehin über den vergangenen Tag. Jetzt aber hält sich Andreas nicht mit Oberflächlichkeiten auf, sondern beide gehen mehr auf das ein, was sie grundlegend in ihren Gedanken und Gefühlen beschäftigt.

Eine wöchentliche Auszeit hat Andreas ebenfalls schon eingeplant, um Seniorenfußball zu spielen. Es fällt ihm nicht schwer, auf eines der Biere nach dem Training zu verzichten und durch eine halbe Stunde Selbstreflexion zu ersetzen. Während er zu Fuß nachhause geht, macht er sich klar, was in der Woche gut gelaufen ist, was er künftig konkret anders machen möchte oder was als nächstes anzupacken ist.

Mensch mit Mind-Mapping
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Seine monatliche Besinnungszeit verbringt Andreas ab jetzt mit einem erfahrenen Freund und Kollegen; bei einem Arbeitsessen tauschen sie sich über spezielle Firmenthemen aus und spinnen Zukunftsperspektiven. So holt er sich Rückversicherung, aber auch korrigierendes Feedback und kreative Anregungen.

Auf diese Weise festigt sich Andreas’ Umgang mit seinen vielschichtigen Aufgaben, er gewinnt einen klareren Überblick, wird sicherer in seinen Entscheidungen – und fühlt sich deutlich entspannter. All das nicht durch einen nennenswerten Extraaufwand, sondern allein durch einen kreativen Umgang mit der Zeit…

Besinnungs-Management

Vielleicht regen Petra und Andreas auch Sie zu einer ganz individuellen „Zeitschöpfung“ für Besinnungspausen an? Egal, ob Sie diese Zeiten an bestimmte Tätigkeiten koppeln oder ein Signal brauchen, egal ob Sie die Besinnung allein oder im Gespräch mit Gleichgesinnten pflegen: Das „Grundrezept“ umfasst

  • mehrmaliges Innehalten von einigen Sekunden über den Tag verteilt;
  • eine Tagesreflexion von 5-10 Minuten mit Blick auf das, was gelungen ist, was als nächstes ansteht oder was Sie ändern möchten;
  • pro Woche eine Stunde, ähnlich wie bei der Tagesreflexion, aber vertieft;
  • je nach Situation: pro Monat einen halben Tag Standortbestimmung oder
  • einmal jährlich mehrere Tage „Generalauszeit“ für ein grundsätzliches Lebensupdate. 

Da jede dieser Reflexionszeiten eine etwas andere Funktion hat, sollte keine von ihnen ganz ausgelassen werden. Allerdings können, z.B. in Krisen oder Umbruchphasen, hin und wieder längere Besinnungszeiten nötig sein, und wo alles gut läuft, kann ein bewusster Selbstcheck auch schon mal verkürzt ablaufen. Immer aber sind Besinnungszeiten eine unentbehrliche Grundlage für authentische Selbstwirksamkeit und damit eine lohnende Investition in die persönliche Entwicklung. 

Mehr zum Thema Selbstreflexion und Selbst-Entwicklung in den Büchern „Das Tiefgangprinzip – einfacher zum Wesentlichen“ und „Das Tiefgangprinzip in der therapeutischen Begleitung“. Einen ersten Einblick finden Sie auch unter www.das-tiefgangprinzip.com. Oder Sie schauen bei meiner neu gegründeten Facebook-Gruppe TIEFGANGPRINZIP vorbei. https://www.facebook.com/groups/2563561033757253/ Ich freue mich auf Sie.

Autor:

Christa Keding

Dr. Christa Keding führte als Allgemeinärztin mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung seit den 1980er Jahren eine Landpraxis. Unzufrieden mit oft lebenslangen Symptombehandlungen, suchte sie nach tiefer gehenden Ansätzen. Eine Grundlage dazu fand sie in der analytischen Kinesiologie, mit der sie sich wegen einiger umstrittenen Aspekte etliche Jahre kritisch auseinandersetzte. Sie bildete darin Ärzte, Heilpraktiker und Psychotherapeuten in Kursen und Individualunterricht aus und veröffentlichte zu dem Thema mehrere Bücher. Ihr Hauptinteresse liegt darin, essenzielle Zusammenhänge zu unterschiedlichen Lebensthemen zu verstehen und verständlich zu vermitteln.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


 

Hinweis: Die Markierung der Checkbox ist kaum zu erkennen. Falls der Kommentar nicht abgeschickt werden kann, bitte nochmals anklicken. 

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiert.