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Diese drei Missionen verfolgen Hochschulen wirklich

Aus Sicht der Studierenden ist die Aufgabe der Hochschule ganz klar: Ein Ort, an dem die Möglichkeit besteht Kontakte zu knüpfen, zu lernen und sich weiterzubilden und das Ziel eines akademischen Abschlusses zu erreichen. Hinter den Facetten der Hochschule verbirgt sich jedoch noch viel mehr, als Studierende auf den ersten Blick erwarten. In diesem Artikel soll daher mit einigen Mythen aufgeräumt werden um herauszustellen, welche Missionen die Hochschule wirklich verfolgt und auf welche Ziele sie hinarbeitet.

Wir leben in einer Zeit voller Veränderung, geprägt von Globalisierung, Digitalisierung und Urbanisierung. Der stätige Wandel und Wechsel unserer Zeit wirkt sich auch auf unsere Hochschulen aus, denn ihre Rolle und ihre Mission erweitert und definieren sich stetig und im Einklang mit der Gesellschaft. Wieso? Ganz einfach: Hochschulen sollen ein Konzept erstellen und Leistungen erbringen, die sowohl wissenschaftlich, als auch wirtschaftlich, sozial und kulturell wichtig für die Entwicklung ihres Landes sind. Dieses Ziel zu erfüllen ist nur möglich, indem eine unablässige Betrachtung gesellschaftlicher Entwicklungen und Fragestellungen erfolgt (Dittler & Kreidl, 2018).

Was sind Hochschulen?

Das Wort Hochschule bezeichnet einen Oberbegriff für eine Einrichtung des tertiären Bildungsbereichs und ist somit aufbauend zur der abgeschlossenen Sekundar-ausbildung, der Fachhochschul- oder allgemeinen Hochschulreife. Differenziert wird zwischen Universitäten, ihren gleichgestellten Hochschulen, welche früher als wissenschaftliche Hochschulen bezeichnet wurden und das Recht zur Promotion- und Habilitation haben und künstlerisch orientierten Hochschulen. Beide Formen der Hochschule dienen ihren Zielen, der Wissenschaft und den Künsten durch Forschung und Lehre. An einer Hochschule eingeschriebene Personen werden als Studierende oder auch Hochschulschüler bezeichnet (vgl. Warkentin, 2018).  

Im engeren Sinne wird die Hochschule als eine Einrichtung angesehen, welche Forschung betreibt und somit neues Wissen schafft, wissenschaftliche Lehre verbreitet und vermittelt und zum Abschluss aller bestandenen Module einen akademischen Grad als Studienabschluss verleiht (Studieren-im-Netz.org). Die verliehenen akademischen Abschlüsse werden nach dem Bologna-Prozess als Bachelor oder Master bezeichnet, welche die vorherigen Abschlüsse Diplom und Magister ersetzen.

Strukturen von Hochschulen

Je nach Größe und Art der Hochschule, kann die Strukturen etwas variieren. Verallgemeinert lässt sich jedoch sagen, dass Hochschulen aus Fakultäten/ Instituten oder auch Fachbereichen bestehen. Geleitet werden diese einzelnen Bereich von einem Dekan oder einer Dekanin. Über dieser Leitung der Fakultät die Hochschulleitung mit einem Rektorat oder Präsidenten/Präsidentin, , sowie meistens einem Kanzler/ einer Kanzlerin.  Neben diesen Leitungsebenen gibt es an deutschen Hochschulen, noch einen akademischen Senat, zentrale Hochschulverwaltungen und Service-Einrichtungen, wie die Bibliothek, das Rechenzentrum, den Career Service, oder die Studien- und Auslandsberatungen (HRK, 2017). Für ein besseres Verständnis, nachfolgend die exemplarische Abbildung des Organigramms der Hochschule, an der ich derzeit im Master studiere.

Abb.1: Organigramm der Hochschule Harz. Quelle: https://www.hs-harz.de/hochschule

Die Aufgaben einer Hochschule

Seit mehreren hunderten Jahren hat die Hochschule vor allem zwei Kernmissionen: Forschung und Lehre. Während die Lehre aller Hochschulen in Deutschland dem für das Bundesland zuständigen Gesetz für Bildung unterliegt, gibt es für die Forschung im Hochschulrahmengesetz (HRG) den Parapraph 2, der festlegt, dass die Pflege und Entwicklung der Wissenschaften und Künste durch Forschung (…) als auch durch die Förderung des Wissens- und Technologietransfers als Aufgabe auferlegt wird, jedoch wie bei der Lehre, auch die unterschiedliche Aufgabenstellung der Hochschularten durch das jeweilige Bundesland bestimmt wird (vgl. HRG §2). Diese beiden Kernmissionen wurden jedoch um eine weitere Mission ergänzt, die Third Mission.  

Wenn euch die weiteren rechtlichen Rahmenbedingungen interessieren, dann schaut euch gerne hier die Tabelle 1 an.

Die Mission Forschung

Die Forschung wird auf der Ordinalenskla zur Selbstbeschreibung der Hochschule als erstes aufgeführt. Sowohl Universitäten, als auch Hochschulen definieren die Einrichtung eines Forschungsbereichs als erstes. Mit einer ausgezeichneten Forschungseinrichtung lässt sich im wissenschaftlichen Kontext Reputation gewinnen, was sich positiv auf die Karriere der Dozenten und Professoren auswirkt und zu Gewinnung von Studierenden beiträgt. Auch wenn es zur Ausdifferenzierung des Hochschulsystems kommt, erfolgt dies heute vertikal, also nach der Rangfolge der Forschungsleistungen (Schneidewind, 2016).

Die Mission Lehre

Die zweite Mission, die Lehre, ist das, was die Studierenden primär sehen. Lehre in Form von Vorlesungen, Seminaren, Projekten, zusätzlichen Veranstaltungen und vielen mehr. Aus der Sicht der Lehrenden ist dies jedoch auch ein zusätzlicher Zeitaufwand, der neben den Forschungsarbeiten und Publikationen ebenfalls zu den Aufgaben dazugehört. Anders als durch die Forschung, gehen aus der Lehre in der Regel kaum oder nur sehr wenige Veröffentlichungen hervor, wodurch sie wenig Reputation erzeugt. Nichts destotrotz ist die vom Land primär geförderte Aufgabe der Hochschulen (Roessler, Duong, & Hachmeister, 2015).

Die dritte Mission

Die dritte Mission der Hochschulen, ist eine Ergänzung der bisherigen Missionen und beinhaltet ihre gesellschaftliche Verpflichtung, die sich unter anderen durch die öffentliche Trägerschaft ergibt.

Entstanden ist diese Mission durch Anforderungen verschiedener gesellschaftlicher Anspruchsgruppen, z.B. örtliche IHKs, nationale Umweltverbände und auch zivilgesellschaftliche Organisationen. Die Aufgaben, die zur Third Mission gehören, sind klar, aber auch recht weit definiert. Hierzu gehört, dass die Tätigkeiten im Zusammenhang mit den Kernprozessen (Forschung und Lehre) oder den strategischen Zielen der Hochschule stehen muss. Des Weiteren macht eine Third Mission-Aktivität gebrauch von Hochschul-Ressourcen, damit die Hochschule sich explizit auch in diese Aktivität einbezieht. Hierzu gehört, dass zum Beispiel Räumlichkeiten, Ausstattungen, Personal, Studierende oder auch finanzielle Mittel der Hochschule genutzt werden. Darüber hinaus, muss die „nicht akademische Umwelt“ aktiv mitgestaltet werden. Das heißt, dass die Hochschule zum Beispiel mit oder für externe Personen tätig wird, die nicht Teil der akademischen Welt sind. Zu diesen nicht akademischen Externen zählen beispielsweise Vereine, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen oder auch Bürgerinnen und Bürger. (Vgl. TransInno_LSA, 2019)

Ein Beispiel für eine Third-Mission-Aktivität gemäß der Definition könnte das folgende sein:

Das Professional Center einer Hochschule mit den Fachbereichen Automatisierung und Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Verwaltungswissenschaften, bietet die Weiterbildung „Cost Controlling Academy“ für angestellte regionaler Unternehmen an. (vgl. TransInno_LSA, 2019).

Wie wirkt sich die wird Mission auf die anderen beiden Mission aus?

Angesetzt ist die Third Mission als eine Erweiterung der bisherigen beiden Missionen, doch ist es vor allem eine gegenseitige Wechselwirkung. Die Lehre und die Forschung wirken sich auf die dritte Mission aus, doch auch die dritte Mission hat eine Auswirkung auf die Kernmissionen.

Auswirkungen durch Third-Mission-Aktivitäten könnten beispielsweise sein, dass Studierende regional aktiv, was einen positiven Einfluss auf die regionale Entwicklung haben kann.

Des Weiteren wird durch Third-Mission-Aktivitäten wird Lehre in die reale Welt verlagert, was die Lehre wiederum interessanter macht und die Studierenden auf praktische Probleme vorbereitet. Durch Kooperationen mit Unternehmen in studentischen Projekten können sich Forschungsprojekte ergeben oder umgekehrt.

Auch bei der Wahl eines Studiums gehen Studierende oft dem nach, wo sie selbst eine relevante gesellschaftliche Frage suchen, z.B. Wie kann ich – als Psychologe- dazu beitragen, dass es einem Menschen psychisch besser geht? Wie kann ich – als Informatiker – dazu beitragen, dass Programme geschrieben werden, die Menschen bei Ihrem Problem X helfen? Wie kann ich – als Pharmazeutin – dazu beitragen, dass Menschen nur Medikamente bekommen, die wirklich sinnvoll sind und ihrer Genesung gut tun?

Wenn durch Third-Mission-Aktivitäten sowohl gesellschaftlich relevante Fragestellungen beantwortet werden, die Dozenten und Professoren die Möglichkeit geboten wird, einen praktischen Teil in die Veranstaltungen einzubauen und  auch für die Studierenden Fragen beantwortet werden können, die der Anreiz für die Studienwahl waren, so könnten alle Seiten positiv von dem Zusammenschluss von den drei Missionen profitieren.

Hier noch einmal das Wissen der drei Missionen in einer Abbildung:

Abb.2: Die drei Missionen unserer Hochschule

Literaturverzeichnis

Dittler, U., & Kreidl, C. (2018). Hochschule der Zukunft. Wiesbaden: Springer VS.

HRK, B. d. (09. 05 2017). Hochschulrektorenkonferenz. Abgerufen am 03. 11 2019 von https://www.hrk.de/fileadmin/redaktion/hrk/02-Dokumente/02-01-Beschluesse/Organisationsstrukturen_der_Hochschulen_Praesidium_21.3.2017_an_MV.pdf

o.A. (o.J.). Studieren-im-Netz.org. Abgerufen am 02. 11 2019 von https://www.studieren-im-netz.org/images/pdf/glossar.pdf

Roessler, I., Duong, S., & Hachmeister, C. (02 2015). CHE Centrum für Hochschulentwicklung . Abgerufen am 04. 11 2019 von https://www.che.de/downloads/CHE_AP_182_Third_Mission_an_Fachhochschulen.pdf

Schneidewind, U. (01 2016). Hof Uni Halle . Abgerufen am 03. 11 2019 von https://www.hof.uni-halle.de/journal/texte/16_1/Schneidewind.pdf

TransInno_LSA (2019): Definition für Third Mission. Online unter: https://www.transinno-lsa.de/fileadmin/user_upload/Geltende_Definition_TM__ Harz_Merseburg_Magdeburg-Stendal_.pdf, Stand: 18.11.2019

Warkentin, N. (18. 05 2018). Karrierebibel . Abgerufen am 02. 11 2019 von https://karrierebibel.de/hochschulreife/

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Autor:

Aileen Salomon

Aileen Salomon ist seit September 2018 Bachelor of Science der Wirtschaftspsychologie und studiert seitdem im Master Konsumentenpsychologie und Marktforschung an der Hochschule Harz.

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