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Leckere Infohäppchen – Das Chunking

Jura für Einsteiger und Nichtjuristen

Wer Rechtsfächer studiert, konzentriert sich oft auf Details. Da bleiben Zusammenhänge leicht auf der Strecke. Das erschwert das Lernen. Hier hilft das Chunking.

Konzentration auf das Gesamtbild

Ein Studienfach wie Jura wirkt mit seiner Detailfülle oft einschüchternd – vor allem, wenn man noch am Anfang des Studiums steht. Wie passen die vielen Puzzleteile nur zusammen?

Eine Antwort auf die Frage zu finden, scheint kompliziert, ist aber verblüffend einfach: Man konzentriert sich nicht auf das Gesamtbild, sondern wendet sich erst einmal den einzelnen Puzzleteilen zu. Oder um ein anderes Bild zu nutzen: Wer einen Teller Spaghetti vor sich stehen hat, schaufelt ja nicht alles mit einem Mal in sich hinein. Mit der Gabel wird das Nudelgewirr auf dem Teller entzerrt und Häppchen für Häppchen wandert die Pasta dann an ihren Bestimmungsort. Alles in verträglichen Bissen.

Mit dem Lernen verhält es sich im Grunde nicht anders: Es geht um passende Informationshäppchen. Das Zauberwort in diesem Zusammenhang: Chunking! Es bietet gleich mehrere Vorteile:

  • Lernen im aktiven Modus wird angekurbelt,
  • Informationen werden verdichtet und verknüpft,
  • Verständnis entwickelt sich.
Von dem was wir noch nicht wissen, können wir am meisten lernen. (Emil Kahlenberg)

Zunächst aber: Was sind Chunks beziehungsweise was ist Chunking?

Was sind Chunks und wie funktioniert Chunking?

Der Begriff Chunks stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Brocken“. Im Kontext des Lernens sind Chunks kleine, verdichtete Informationsbrocken oder -häppchen. Beim sogenannten Chunking, werden diese Informationshäppchen miteinander verknüpft. Sie stehen in einer Beziehung zueinander. So gesehen ist es tatsächlich ein bisschen wie beim Puzzeln. Bei dem ergibt sich ebenfalls nach und nach durch das Zusammenfügen der Einzelteile ein Gesamtbild.

Mit Chunks durch den Paragrafendschungel

Um sich mit Chunks durch den Paragrafendschungel zu schlagen, brauchen Sie nur drei Schritte zu unternehmen:

  1. Passende Chunks bilden!
  2. Erinnerungspfade anlegen!
  3. In Übung bleiben!

Passende Chunks bilden!

In einem ersten Schritt geht es darum, passende Chunks zu bilden (wohlgemerkt „passende“, nicht etwa „richtige“ Chunks; hier gibt es kein richtig oder falsch).

Ein Beispiel:

Angenommen, Sie knöpfen sich ein neues Rechtsgebiet vor, etwa die Stellvertretung (§ 164 ff. BGB). Hier wäre es wenig sinnvoll, sich gleich alle möglichen Details merken zu wollen. Hilfreicher ist es, sich zunächst klar zu machen, was die Idee der Stellvertretung ausmacht und sich dann von dort aus weiter vorzutasten. Fragen Sie sich:

Worum geht es bei der Stellvertretung im Kern? Was ist die Essenz?

Genau das ist der Ansatz des Chunking: Es geht zunächst immer darum, die Kernidee eines Lernstoffs zu verstehen und Informationen daraufhin zu verdichten.

Tipp: Oftmals lässt sich die Kernidee eines Rechtsinstituts aus der Rechtsfolge einschlägiger Vorschriften entnehmen!

Bei der Stellvertretung geht es beispielsweise im Kern darum, dass die Willenserklärung eines Vertreters unter gewissen Voraussetzungen für und gegen den Vertretenen wirkt (§ 164 Abs. 1 BGB).

Dieser Ansatz, Informationen auf ihre Kernaussage hin zu verdichten, lässt sich auf sämtliche juristischen Lerninhalte übertragen. Probieren Sie es aus: Was ist z. B. die Kernidee der Geschäftsfähigkeit, der Anfechtung, der Kaufgewährleistung etc.?

Im Weiteren lassen sich dann Details erschließen, was dabei hilft, insgesamt ein rundes Bild zu bekommen. Auch hier geht es wieder darum, Kernaspekte herausarbeiten und neue Chunks zu bilden: Ein paar Beispiele gefällig? Bleiben Sie bei der Stellvertretung: Welche Kernidee steckt hinter

  • der Vertretungsmacht?
  • der Rechtscheinvollmacht?
  • der Haftung des Vertreters ohne Vertretungsmacht?

Sich immer wieder klar zu machen, was die Kernidee ist, bringt Sie schon einen großen Schritt nach vorne. Dieses Vorgehen sollte zu Ihrem Mantra werden. Perfekt wird es, wenn Sie noch einen zweiten Schritt im Auge behalten.

Erinnerungspfade anlegen!

Das Gehirn mit den verschiedensten Informationsbrocken zu bombardieren, ist aber auf Dauer nicht hilfreich. Was tun? Geben Sie Ihrem Oberstübchen eine Hilfestellung: Neues lässt sich besser merken, wenn es an Bekanntes andocken kann. Genau diese Verknüpfung ist der Clou beim Chunking. So entstehen Erinnerungspfade, die Sie durch den Paragrafendschungel führen.

Das Schöne dabei: Ihr Gehirn legt diese Erinnerungspfade alleine und völlig automatisch an. Sie brauchen nur darauf zu achten, ihm die passenden Infos zu präsentieren.

Hier beginnt das eigentliche Lernen: Bereiten Sie die Informationshäppchen so auf, dass Ihr Gehirn die Verknüpfungen ausmachen und entsprechend abspeichern kann. Dazu braucht es Inhalte, mit denen es etwas anfangen kann. Es geht darum, einen Kontext herzustellen. Versuchen Sie also, den Lernstoff stets in einem Zusammenhang zu sehen und Bezugspunkte zu erkennen. Das kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen, wobei Sie sich am besten wieder ein paar Fragen stellen:

  • In welchem größeren Zusammenhang steht das Thema?
  • Welche Verbindungen gibt zu bekannten Inhalten?

Tipp: Speziell beim Lernen juristischer Inhalte kann man sich auch fragen: Wie ist das Thema mit der Methodik der Rechtsanwendung und der Fallbearbeitung verbunden?

Dazu ein weiteres Beispiel:

Die oben schon erwähnte Stellvertretung ist ja im BGB geregelt. Wenn Sie sich damit bereits befasst und hier die Vertretungsmacht als einen wichtigen Punkt herausgearbeitet haben, dann ist selbst der Sprung zur Prokura (§ 48 ff. HGB) kein Problem mehr: Die Prokura ist ja nichts anderes als eine besondere handelsrechtliche Vertretungsmacht. Der Erinnerungspfad führt also von der Vertretungsmacht zur Prokura.

Und noch ein Beispiel:

Mit der Anfechtung kann man sich von einem Vertrag wieder lösen (nach § 142 Abs. 1 BGB ist ein anfechtbares Rechtsgeschäft nämlich als von Anfang an nichtig anzusehen, wenn es angefochten wird). Von einem Vertrag lösen kann man sich aber in bestimmten Fällen und unter bestimmten Voraussetzungen auch durch Rücktritt, Widerruf oder Kündigung. Bei der Anfechtung ergeben sich also Zusammenhänge zu anderen Rechtsinstituten.

Tipp: Achten Sie bei der Lektüre von Studienliteratur und auch beim Besuch von Vorlesungen auf Zusammenhänge und Verbindungen!

In Übung bleiben!

Das Chunking „lebt“ quasi von den Verknüpfungen. Wenn die am Ende des Tages halten sollen, dann reicht es aber nicht aus, sich den Lernstoff nur einmal anzueignen. Ebenso wichtig ist die regelmäßige Wiederholung, wenn das Gelernte sitzen soll. Ein Erinnerungspfad entsteht erst dann, wenn man ihn immer wieder abgeht. Ansonsten ist er ratzfatz mit irgendwelchem Kraut überwuchert und nicht mehr begehbar. Dann ist alles schneller wieder verschwunden, als einem lieb ist. Nicht ohne Grund heißt es ja bekanntlich: Übung macht den Meister!

Mit regelmäßiger Wiederholung (besser: Erinnerung!) und Übung festigen Sie die Chunks. Dann stehen die Chancen gut, auf das Gelernte zugreifen zu können, wenn es nötig ist. (Zur “richtigen” Wiederholung/Erinnerung wird es hier im Jura Survival Guide demnächst noch eigens einen Beitrag geben).

Tipps für die Lernstrategie

Bei juristischen Inhalten ist es immer wieder hilfreich, sich eines zu vergegenwärtigen: Bloßes Faktenwissen anzuhäufen und Details auswendig zu lernen, bringt nicht viel. Behalten Sie stets den Kontext im Blick. Achten Sie zudem darauf, dass die Informationshäppchen nicht zu groß sind. Dann sind sie nämlich weniger gut bekömmlich.

Das Chunking lässt sich übrigens ideal mit anderen Lernmethoden kombinieren, etwa dem Lernen mit Karteikarten oder der Mind-Map-Methode. Dort lassen sich speziell die Verknüpfungen visualisieren und so veranschaulichen. Das macht es zugleich einfacher, den Lernstoff zu einzuüben.

Erfolgsmomente

  • Aktiv lernen
  • Zusammenhänge erkennen
  • Eine solide Basis aneignen

Auf einen Blick

Lecker Infohäppchen - Das Chunking

Gibt es eigene Erfahrungen mit dem Chunking? Du kennst andere, denen die Anregungen nützen können? Dann teile den Beitrag mit Freunden.

Autor:

André Niedostadek

André Niedostadek ist Professor für Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht an der Hochschule Harz und Wirtschaftsmediator. Eine Frage, die ihn derzeit als Hochschullehrer, Speaker & Autor umtreibt: Wie werden wir künftig leben, lernen, arbeiten? Hier auf Wissenschafts-Thurm schreibt er insbesondere zu den Themen Recht, Studium und Veränderungen in der Arbeitswelt.

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