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Von Vorlesungen profitieren (Teil 2) – Der Besuch

Jura für Nichtjuristen

Ein Studium ohne Vorlesungen? Undenkbar. Trotzdem wird gerade dort leicht Zeit vertan. Damit der nächste Vorlesungsbesuch mehr bringt, hier ein paar Anregungen für Einsteiger, Fortgeschrittene und Experten – oder solche, die es werden wollen. 

Besuche können wirklich Laune machen, etwa ein Kino- oder Konzertbesuch. Jeder Besuch? Na ja, beim Besuch der lieben Verwandtschaft kommt es wohl immer drauf an. Von „Super“ bis „Hmm …, muss nicht sein“ reicht wohl auch die Einstellung, wenn es im Studium um den Besuch von Vorlesungen geht. Solche Lehrveranstaltungen haben aber gerade bei Rechtsfächern einen hohen Stellenwert. Und das nicht ohne Grund. Gut gemachte Vorlesungen bieten gegenüber dem Lernen mit Skripten oder Lehrbüchern durchaus Vorteile:

  • Gute Dozenten können die Motivation steigern
  • Man lernt Schwerpunkte für die Prüfungen kennen
  • Der Zugang zu neuem Wissen wird erleichtert

Zugegeben: Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Und so lösen sich Vorteile manchmal schnell wieder in Luft auf. Sei es, weil eine Vorlesung nicht gut aufbereitet ist oder weil der Funke aus anderen Gründen nicht überspringen will. Da lohnt es (nach Teil 1  zur Vorlesungsvorbereitung) hier auf Wissenschafts-Thurm einmal den Vorlesungsbesuch selbst näher unter die Lupe zu nehmen. Oft lässt sich nämlich sogar aus weniger packenden Vorlesungen durchaus etwas herausholen. Vorausgesetzt man weiß, wie.

Gedanken springen wie Flöhe von einem zum anderen, aber sie beißen nicht jeden. (G. B. Shaw)

Nachfolgend ein paar Anregungen, wie Einsteiger, Fortgeschrittene und Experten den nächsten Vorlesungsbesuch optimaler nutzen können.

Das kleine 1×1 für Einsteiger

  • Regelmäßigkeit sichern. Forscher haben herausgefunden, dass die Zufriedenheit und das Glücksgefühl steigen, wenn man etwas regelmäßig macht. Wer sich beim Sport immer wieder und nicht nur sporadisch zum Training aufrafft, ist insgesamt motivierter (und erfolgreicher). Nichts anderes gilt für Vorlesungen. Auch hier kann eine Regelmäßigeit die Motivation fördern.
  • Sitzplatz wählen. Sich in die hintersten Reihen zu verkrümeln und nur zu beobachten was passiert, ist recht beliebt. Gerade in größeren Vorlesungssälen ist das aber nicht empfehlenswert. Weniger, weil man vielleicht Wichtiges verpassen könnte (das kann natürlich auch vorkommen, wenn man die Gedanken immer wieder abschweifen oder sich sonst wie „applenken“ lässt). Viel wichtiger: Schon mit der Platzwahl signalisiert man sich selbst gegenüber, welchen Stellenwert eine Vorlesung haben soll. Ist man wirklich dabei oder eher passiver Zuhörer? Anstatt sich also als stiller Beobachter möglichst weit weg vom Geschehen zu postieren, sucht man sich ein Plätzchen weiter vorne. Es muss ja nicht die erste Reihe sein.
  • Einstellung hinterfragen. Wie so oft ist die Einstellung das Zünglein an der Waage. Wer von vornherein wenig von einer Vorlesung erwartet und sich das auch gebetsmühlenartig einredet, wird sich kaum Mühe geben, am Ball zu bleiben. Wem es dagegen gelingt, sich mit einer gewissen Portion Neugier auf eine Vorlesung einzulassen und dabeizubleiben, kann profitieren.
  • Schwerpunkte setzen. Alle Details mitbekommen zu wollen, ist gar nicht machbar. Sich 90 Minuten oder womöglich noch länger durchgehend zu konzentrieren, ist schlichtweg unmöglich. Und das ist auch gar nicht nötig. Oft reicht es, auf die Schwerpunkte und den roten Faden zu achten. Letzterer kann auch schon mal flöten gehen. Dann gegebenenfalls einfach darum bitten, bestimmte Inhalte doch noch einmal zu wiederholen.
  • Nachbereitung vorbereiten. Am Ende eines Vorlesungsbesuchs sind die Eindrücke noch präsent. Da bietet es sich an, kurz die Schwerpunkte für die Nachbereitung festzuhalten.

Anregungen für Fortgeschrittene

  • Aktiv sein. Die Zeiten, in denen man in Vorlesungen wirklich nur dem Vortrag der Dozenten lauschte, sind zunehmend vorbei. Viele Lehrveranstaltungen setzen auf Interaktion. Sie bieten unterschiedliche Möglichkeiten, sich aktiv zu beteiligen. Das fördert den Lerneffekt ebenfalls. Deshalb sollte man von dieser willkommenen Möglichkeit wirklich reichlich Gebrauch machen.
  • Fragen stellen. Nicht immer versteht man alles gleich auf Anhieb. Dann lassen sich (vorbereitete!) Fragen stellen. Idealerweise verlässt man die Vorlesung nicht, ohne dass die eigenen Fragen geklärt wurden. Kein souveräner Lehrkörper wird das verwehren. Sich selbst übt man dadurch ganz nebenbei noch in einer in der Praxis gern gesehenen Schlüsselqualifikation: der Kommunikationsfähigkeit.
  • Mitschriften minimieren. Es wäre vertane Zeit, alles mitschreiben zu wollen (auch wenn manche das versuchen, ja sogar wortwörtliche Mitschriften anfertigen). Sofern ein Skript oder andere vorlesungsbegleitende Unterlagen ausgegeben wurde, gilt die Devise: Mitschriften begrenzen und die behandelten Inhalte kurz im Skript markieren. Einige weniger persönliche Ergänzungen reichen dann meist. Im Übrigen eignet sich die Cornell-Methode sehr gut für Vorlesungsmitschriften. Dabei konzentriert man sich auf wesentliche Eckpunkte und grobe Leitlinien. Die werden in eigenen Worten festgehalten. Auch Visualisierungen, wie Grafiken und Icons, sind hilfreich.
  • Beispiele suchen. Die juristischen Fächer kommen manchmal etwas abstrakt daher. Will man das Ganze mit Leben füllen, kann man auch Ausschau nach konkreten Beispielen, vor allem aus der Praxis halten. Oder man fragt ganz einfach wieder die Dozenten: „Hätten Sie dafür mal ein Beispiel …?“.

Als Experte noch mehr herausholen

  • Trainingsmöglichkeit nutzen. Speziell in juristischen Fächern beschränkt sich der Vorlesungsstoff nicht bloß auf das Vermitteln von Wissen. Oft geht es auch um die Rechtsanwendung und das Lösen von Fällen. Wer einen Vorlesungsbesuch nicht nur als Zeitvertreib, sondern aktiv als Trainingsmöglichkeit sieht, profitiert auch hier.
  • Hellsehen ausprobieren. Hellsehen? Na ja, so ähnlich jedenfalls: Aktiv sein kann man nämlich auch, indem man sich bemüht, vorausschauend zu denken. Dabei kann man sich selbst folgende Frage stellen: Was kommt wohl als nächstes? Gerade bei Falllösungen lässt sich das unproblematisch ausprobieren. Dabei versucht man einfach, den kommenden Prüfungsschritt vorherzusehen. So lässt sich nebenbei ganz leicht kontrollieren, ob man noch auf Kurs ist oder nicht.
  • Grenzen sprengen. Beim Vorlesungsbesuch lassen sich immer wieder die Grenzen des Stoffs hinterfragen. Dazu braucht man bloß zu überlegen, wo es übergreifende Bezüge zu anderen Veranstaltungen, Fächern, Themen und bereits Bekanntem gibt. Es lohnt also übergreifend zu denken. Einfach mal den Blick über den Tellerrand wagen.

Tipps für die eigene Lernstrategie

Selbstverständlich muss man nicht alle der vorgenannten Punkte gleich ausprobieren. Man kann sich zunächst auch auf die eine oder andere Anregung konzentrieren. Lohnend ist es in jedem Fall, über den eigenen Schatten zu springen. Dabei dreht man den Spieß um: Von einem eher passiven Vorlesungsbesuch zu einer Veranstaltung mit möglichst aktiver Beteiligung. Das mag gerade zu Beginn ein bisschen Überwindung kosten. Langfristig zahlt es sich aber aus. Und was ist motivierender als Erfolg? Dann stehen die Chancen auch nicht schlecht, dass selbst vermeintlich langweilige Vorlesungen ihren Reiz entfalten.

Erfolgsmomente

  • Vielfältige Möglichkeiten von Vorlesungen nutzen
  • Zusätzlichen Lerneffekt generieren
  • Persönliche Weiterentwicklung fördern
  • Zeit sinnvoller nutzen als bloß Wissenshäppchen aufzuschnappen
  • Der Passivität ein Schnippchen schlagen

Das Wichtigste auf einen Blick

Vorlesungsbesuch

Und wie sind die eigenen Erfahrungen mit dem  Vorlesungsbesuch? Du kennst andere, denen die Anregungen nützen können, dann teile den Beitrag mit Freunden.

 

Autor:

André Niedostadek

André Niedostadek ist Professor für Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht an der Hochschule Harz und Verfasser mehrerer Jura-Lernbücher aus der bekannten "Für Dummies"-Reihe. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @niedostadek.

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