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Aus Fehlern lernen – Die Klausureinsicht

Jura für Einsteiger und Nichtjuristen

Aus Fehlern, so heißt es oft, lernt man bekanntlich am besten. Tatsächlich steckt darin weit mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Das gilt allemal fürs Studium. Lohnend dabei: die Klausureinsicht. Worum es dabei geht und worauf man achten sollte – dieser Beitrag verrät es.

Da hat man sich bestmöglich ins Zeug gelegt und trotzdem ist die Klausur am Ende nicht wie erhofft ausgefallen. Frust, Enttäuschung, Unmut – das Stimmungsbarometer ist auf dem Tiefpunkt. Erst recht, wenn es nicht gereicht hat und man durchgefallen ist. Die vermeintlich Schuldigen sind schnell ausgemacht: Die Prüfung? Viel zu schwer! Die Dozenten? Idioten! Und das Fach? Macht eh keinen Spaß!

Anderen hier den Schwarzen Peter zuzuschieben mag nachvollziehbar sein, ist aber letztlich „Selbst“-Betrug. Wenn man mal offen und ehrlich hinschaut, liegen die Gründe meist doch woanders. Wer die Sache dann noch mit Sprüchen wie „Hauptsache durch!“ oder „Vier gewinnt!“ ad acta legt oder sich beim Nichtbestehen womöglich beschämt oder beleidigt einigelt, vergibt eine echte Chance sich weiterzuentwickeln. Wer sich hingegen traut, die Gründe für das Abschneiden mal selbstkritisch (!) zu hinterfragen, kann einen wirklichen Schritt nach vorne machen. Eine ideale Gelegenheit dafür: Die Klausureinsicht. Die hat gleich mehrere Vorteile:

  • Der Blick zurück gibt die Möglichkeit zur Fehleranalyse.
  • Der Blick nach vorne ermöglicht es, die Lernstrategie anzupassen (und es beim nächsten Mal hoffentlich besser zu machen).
  • Fehler passieren jedem. Womöglich auch bei der Korrektur einer Klausur. Man kann also die Korrektur selbst überprüfen und sich Gewissheit verschaffen.

Was braucht es für eine Klausureinsicht? Fast nichts! Hilfreich ist in jedem Fall eine positive Einstellung aus Fehlern zu lernen und die Bereitschaft mal über den eigenen Schatten zu springen (ein paar weitere Anregungen zum richtigen Mindset im Studium gibt es hier).

Am besten man hält es so wie der irische Schriftsteller James Joyce:

Zitat James Joyce: Ein Genie macht keine Fehler. Seine Irrtümer sind Tore zu neuen Entdeckungen.

Was ist die Klausureinsicht eigentlich?

Zunächst einmal dazu, was eine Klausureinsicht nicht ist: Sie ist keine Nettigkeit, kein freundliches Entgegenkommen, das im Belieben der Prüferinnen und Prüfer steht. Jede Klausur an einer Universität oder einer anderen Hochschule ist Teil eines verwaltungsrechtlichen Vorgangs. Damit verbunden sind am Ende auch bestimmte Rechte der Studierenden. Zwar gibt es bei Klausuren einen Bewertungsspielraum. Trotzdem muss Transparenz herrschen. Und dazu gehört auch die Möglichkeit (!), sich als Studentin oder Student selbst ein Bild von der Benotung einer Klausur machen zu können. Wenn man so will, dann ist die Klausureinsicht so etwas wie eine Akteneinsicht.

Wie läuft eine Klausureinsicht ab?

Eine Klausureinsicht kann organisatorisch und inhaltlich ganz unterschiedlich gestaltet sein. Manchmal gibt es einen einmaligen Sammeltermin. Der wird dann für alle festgesetzt, die an einer Klausur teilgenommen haben, und zum Beispiel über das Intranet der Hochschule oder Aushänge am “Schwarzen Brett” bekannt gemacht. Manchmal werden aber auch individuelle Einzeltermine angeboten. Bei einer solchen Klausureinsicht kann man sich dann in Ruhe die eigene Klausur und die Bewertung einschließlich der Korrekturen noch einmal ansehen (Studierendenausweis nicht vergessen!). Regelmäßig sind die Dozenten selbst anwesend, die manchmal die gesamte Klausurlösung vorstellen, auf jeden Fall aber für Rückfragen und Erläuterungen zur Verfügung stehen.

Wer sollte Klausureinsicht nehmen?

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Kurze Antwort: Alle, die die Klausur mitgeschrieben haben. Von einer Klausureinsicht kann man immer profitieren. Die Beine in die Hand nehmen sollte man auf jeden Fall, wenn man eine Prüfung nicht bestanden hat. Auch dann, wenn man eine (vage) Vorstellung davon hat, woran das schlechte Abschneiden vielleicht gelegen haben könnte. Womöglich lag die Ursache ja doch woanders? Wenn man sich hier keine Gewissheit verschafft, schnappt dieselbe Fehlerfalle womöglich nochmals zu. Sich darauf einzulassen, wäre ja geradezu Dummheit; das muss ja nun wirklich nicht sein. Aufraffen sollte man sich aber auch, wenn man noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen und am Nichtbestehen gerade eben vorbeigeschrammt ist. Ja, selbst wer mit einer guten Note abgeschnitten hat und sich eine Einsicht vielleicht schenken will, kann womöglich noch den einen oder anderen Impuls erhalten.  

Worauf sollte man bei einer Klausureinsicht achten?

Nachstehend vier Tipps, um bei einer Klausureinsicht das Meiste für sich herauszuholen.

Offene Fehleranalyse!

Dreh- und Angelpunkt ist eine offene und selbstkritische Fehleranalyse. Sie ist die Grundlage für alles weitere. Sicher wird man auch ein Auge darauf werfen können, was gut gelaufen ist. Aber im Mittelpunkt steht nun doch das, was nicht geklappt hat. Genauer unter die Lupe nehmen sollte man bei juristischen Prüfungen zwei Aspekte. Folgende Fragen helfen dabei:

  • Fehlte es an den nötigen Rechtskenntnissen?  Hier geht es also um das Wissen. In Jura, so heißt es oft, muss man nicht viel wissen, man muss nur wissen, wo es steht. Das stimmt schon. Aber so ganz ohne Wissen geht es auch hier eben doch nicht.
  • Hat die Rechtsanwendung nicht geklappt? Sofern in einer Prüfung auch die Rechtsanwendung eine Rolle spielte (etwa beim Lösen von Fällen), sollte man bei der Analyse darauf ebenfalls einen Blick werfen. Woran lag es genau? Der Umgang mit dem juristischen “Handwerkzeug” wie den Gesetzestexten? Hat vielleicht der Einstieg nicht geklappt (z. B. weil die Anspruchsgrundlage unzutreffend war)? Oder gab es Probleme bei der Subsumtionstechnik oder der Darstellung der Lösung im Gutachtenstil?

Wichtig ist es, sich nicht nur Gedanken dazu zu machen, was nicht geklappt hat. Aufschlussreich ist natürlich gerade auch die Frage nach dem „Warum?“. Es nutzt nichts: Hier hilft nur die selbstkritische Bestandsaufnahme. Offen und ehrlich.

Notizen machen!

Damit die Erkenntnisse nicht gleich wieder weg sind, sollte man sich die wesentlichen Punkte notieren. Ansonsten sind die Erkenntnisse schneller wieder vom Radar verschwunden, als einem lieb ist. Am besten macht man sich während der Klausureinsicht Notizen zu allem, was einem aufgefallen ist. Auf der Basis lassen sich dann auch besser die nächsten Schritte angehen. Also: Das Notizbuch gezückt!

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Locker bleiben, aber nachhaken!

Eine schlechte Note mag einen herunterziehen, sie ist aber – verglichen mit anderen Problemen – beileibe kein Weltuntergang. Zählen Sie die Punkte zusammen und fragen Sie durchaus nach, wenn inhaltlich etwas unklar ist. Scheuen Sie sich auch nicht davor, sich gezielt nach Lerntipps zu erkundigen oder die bisherige Lernstrategie mit den Dozenten zu überdenken. Viele Dozenten geben hier breitwillig Anregungen. Im Übrigen heißt es: Locker bleiben! Eine Klausureinsicht ist kein Basar. Feilschen wird in der Regel nicht viel bringen. Und Drohungen (auch die soll es schon gegeben haben!) schon mal gar nicht. Wie heißt es doch: Der Ton macht die Musik.

Konsequenzen ziehen!

Nach der Klausureinsicht beginnt die eigentliche Arbeit: Jetzt heißt es, die Konsequenzen zu ziehen und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Das ist der wichtigste Schritt. Ansonsten bringt die Klausureinsicht im Ergebnis wenig und verpufft im Nichts.

Was tun? Wenn die Analyse Mängel bei den Rechtskenntnissen offenbart hat, wäre zu überlegen, wie man die Lernstrategie diesbezüglich anpasst. Gar nicht so selten kommt es auch vor, dass das nötige Wissen zwar durchaus vorhanden ist, es aber an der Umsetzung im Rahmen der Rechtsanwendung hapert. Auch hier hat man dann einen Hinweis, um gezielt Korrekturen vornehmen zu können.

Oftmals sind es lediglich kleine Stellschrauben, an denen man zu drehen braucht. Das betrifft übrigens nicht nur die unmittelbare Lernphase vor den Klausuren. Auch das Vorbereiten von Vorlesungen, der Besuch selbst und das Nachbereiten kann hier leicht umzusetzende und wirkungsvolle Verbesserungen bieten.

Tipps für die eigene Lernstrategie

Klausureinsichten bieten ideale Instrumente, um an der eigenen Lernstrategie zu feilen. Wichtig ist die Bereitschaft, Klausurergebnisse nicht als Denkzettel zu verstehen, sondern als Feedback zu nutzen, um gegebenenfalls Korrekturen hinsichtlich der eigenen Lernstrategien vorzunehmen. Viele Studierenden lassen die Möglichkeit der Klausureinsicht dennoch ungenutzt verstreichen. Falls sie doch wahrgenommen wird, unterbleibt es nicht selten, die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Genau darauf kommt es aber letztlich an. Es gilt also, die Sache mit der Klausur nicht einfach abzuhaken oder womöglich rumzumurren (und sich mit anderen gegenseitig aufzuschaukeln), sondern die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und sich wieder (neu) auszurichten. Orientieren Sie sich dabei auch ruhig an erfolgreichen Kommilitoninnen und Kommilitonen und fragen Sie sie, welche Lernstrategien die genutzt haben. Oder nutzen Sie zusätzlich die Sprechstunde der Dozenten, wenn es “nur” einen Sammeltermin gab. Und last but not least: Auch hier im Jura Survival Guide finden Sie zahlreiche Anregungen, wie man besser lernen kann.

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Erfolgsmomente

  • Es wird einem klar wird, wo man steht.
  • Impulse helfen dabei, wie man es besser machen kann.
  • Wenn man aktiv wird und nicht im Passivmodus verharrt.

Das Wichtigste auf einen Blick

Auf einen Blick - Die Klausureinsicht

Und wie sind die eigenen Erfahrungen mit der Klausureinsicht? Du kennst andere, denen die Anregungen nützen können? Dann teile den Beitrag mit Freunden.


Autor:

André Niedostadek

André Niedostadek ist Professor für Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht an der Hochschule Harz und Verfasser mehrerer Jura-Lernbücher aus der bekannten "Für Dummies"-Reihe. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @niedostadek.

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